Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 7-8 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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111 Hagada ist aber absichtlich. Es bietet nämlich die Hagada eine große Menge Berührungspunkte mitdem Christenthume. Unzählige Aussprüche religiös-sittlichen Inhalts können geradezu als eine Brücke zum Neuen Testamente betrachtet werden. Wie das Heidenthum in seiner Literatur oft über sich hinausweist auf die Fülle der Zeit, so auch das Judenthum in seiner Hagada. Dort wie hier sehen wir das Feld, wo der koyoe 07tsQ[Mux6s seine Arbeit entfaltet. Vor allen Dingen ist die jüdische Messtashagada beachtenswerth. In einem ununterbrochenen Strome fließt dieselbe vom Talmud an bis zu dein jüngsten der Midraschwerke. Es haben daher die Messtashagaden ein ganz besonderes Interesse für uns. Wie in den Büchern des alten Bundes der Messias die stehende Centralfigur ist, auf die alles abzielt und abzweckt, so auch in der Hagada. Alles, was die Propheten und die heiligen Geschichtsschreiber des Alten Testaments vom Messias aussagen, das behält er in der Hagada, nur noch in umfangreicherem Maße. Wie der Messias im Alten Testament bald als großer König und Herrscher geweissagt, der ein Reich des Friedens und der Ruhe, der seligsten Harmonie und des höchsten Glückes herbeiführt, wie er als Prophet und Lehrer hingestellt wird, der alle von Mose ab bis zum letzten des Bundes an Kraft und Weisheit überragt, wie er endlich aber auch als der Knecht Jehovas erscheint, in Niedrigkeit, Armuth und Schmerzen gehüllt, in allen diesen Phasen oder Epochen zeigt ihn auch die Hagada. Wollte Jemand sich die Mühe nehmen und alle Züge der Messiashagaden zu einem Bilde zusammenfügen, wahrlich dieses Bild würde sich nur in sehr untergeordneten Momenten von demjenigen abkennzeichnen, welches im Neuen Testamente, nachdem die Zeit erfüllet war, Wirklichkeit und Wahrheit geworden. Merkwürdig aber hat das Judenthum gerade gegen das Messiashagadengebiet eine ganz besondere Antipathie. Es ist ihm ein Aergerniß, daß der Messias leiden und durch sein Leiden die Sündenschulden der Menschheit hinwegtilgen und vor Gott sühnen soll; es mag es nicht einsehen, daß er das letzte große Opfer sei, welches die alttestamentlichen Opfer zum Stillschweigen und Aufhören gebracht und den langen Opfersabbath herbeigeführt hat. Ebensowenig soll das Leiden des Messias ein von Gott über ihn beschlossenes, von ihm aber