Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 7-8 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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110 kann. Namentlich was den älteren Hagadacyklus anlangt, so läßt sich annehmen, daß ein großer Theil älter ist als die Redaction der Mischna. Sollte ein Leser unserer Skizze vielleicht noch Genaueres über die Abfassungszeit des einen oder andern der aufgeführten Werke wissen wollen, den ersuchen wir, die Arbeiten eines Rapoport, Frankel, Zunz, u. s. w. nachzusehen, welche eingehend das Gesammtgebiet der hagadischen Literatur behandelt haben. Nur das erlauben wir uns zu bemerken, daß trotz der gründlichen Forschungen dieser Männer die Abfassungsfrage bei jedem einzelnen Werke, wie gesagt, noch nicht für ganz ausgemacht und unumstößlich sicher gehalten werden darf. Die Forschung schwebt vielmehr noch. Leicht kann der eine oder der andere gegenwärtig als in eine spätere Zeit fallend erachtete Midrasch einer frühern angehören, wie auch vielleicht das Umgekehrte stattfinden mag. Aus diesem Grunde haben wir absichtlich unsere Erörterung namentlich beim zweiten oder jüngeren Cyklus etwas vag und unbestimmt gelassen. Hinsichtlich des ersten oder älteren Cyklus herrscht betreffs der Abfassung bei Weitem größere Uebereinstimmung und Sicherheit. Wichtiger aber als Name und Alter der Halacha- und Hagadaliteratur ist für unfern Zweck endlich der Werth und die Bedeutung beider, die sie gegenwärtig im Judenthume einnehmen. 3. Autonomie. Während das orthodoxe Judenthum die Halacha noch gegenwärtig als zu Recht bestehend, d. i. als autonom anerkennt, schreibt es der Hagada gar keine Autonomität zu, es verhält sich zu ihr entweder ganz indifferent, oder es tritt sogar in Widerstreit zu ihr. Früher bildete die Hagada mit einen Theil der Erbauungslectüre fast jeder israelitischen Familie; wenn man in ein israelitisches Haus kam, so fand man entweder das große bagadische Sammelwerk aus den Talmuden "En Jakob (Dpjr j’J?) oder die Jalkute (den des Schimoni oder RuKeni) auf dem Tische ausgeschlagen, jetzt sind diese kostbaren Schätze sehr vielen Juden kaum noch den Namen nach bekannt, geschweige denn, daß sie gekauft und zum Gegenstände der Betrachtung gemacht würden. Indifferenz und Lehrstreit der Juden gegen das Gebiet der