Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 7-8 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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104 schließt sie sich doch an das A. T. an, indem sie dasselbe in seinen Aussprüchen erläutert und erklärt. Wenn Jemand den Bezug der Hagada auf das A. T. etwa leugnen sollte, den verweisen wir auf den Ausspruch R. Aschers, welcher bemerkt: D’Eün : m*Un D'p'iDDn bv ll'I'QONV, die Hagadensind Worte der Weisen, welche die Verse (sc. des A. T.) stützen oder begründen. Trotzdem aber, daß die Hagabisten zum A. T. im Ganzen eine freiere Stellung einnahmen, haben sie bei genauerer Betrachtung in den von ihnen aufgestellten Hagaden den Sinn und Geist desselben nicht weniger tief, als die eigentlichen Gesetzesforscher, erfaßt. Ja nicht selten, ist es ihnen gelungen, sich in die göttliche Heilsökonomie des alten Bundes tiefer zu versenken und die allmälige Verwirklichung derselben deutlicher aufzuzeigen und darzulegen, als es bei Lehrern der Halacha der Fall ist. Was die Form der Hagada anbetrifft, so unterscheidet sie sich von der Halacha. Der Abstand zwischen beiden ist sogar ein sehr in die Augen springender. Während nämlich bei der Halacha die Diction rein talmudisch ist, d. h. jenes merkwürdige Gemisch von Chaldäisch und Hebräisch, so zeigt die Hagada größere Einheit der Sprache. Die Diction ist entweder nur hebräisch, und das ist das Gewöhnliche, oder nur chaldäisch, und das ist das Seltenere. Ein ebenso durchgreifender Unterschied läßt sich auch bezüglich der Schreibweise oder des Stiles zwischen beiden wahrnehmen. Während der Stil der Halacha den Character der Zerrissenheit und lapidarischen Kürze hat, herrscht in der Hagada größerer Redefluß. Bei der Halacha müssen die einzelnen Gedanken erst durch künstliche, scharfsinnige Verstandesmanipulationen überbrückt werden, um den klaren Zusammenhang der Gedanken und Ideen zu gewinnen, bei der Hagada dagegen reihen sich die Sätze von selbst eng aneinander an; der leitende Faden, die durchziehende Idee ist leicht aufzufinden. Auch da, wo die Hagada nicht im Gewände kindlicher Naivität einherschreitet, sondern das Kleid der Allegorie oder Parabel angezogen hat, ja selbst, wo sie auf den phantastischen Wogen acht orientalischer Poesie sich bewegt, ist der eigentliche Sinn und Kern ohne Schwierigkeit zu enthüllen. Noch größer ist der Abstand zwischen Halacha und Hagada, wenn man den Inhalt beider in's Auge faßt. Die Halacha hat es, wie bereits oben gesagt, nur mit