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Dibre Emeth · 1870-01-01 · 7-8 (1870) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
7-8 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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98 blos ein großer Prophet und Lehrer, nicht blos ein mächtiger König und Gebieter, er ist auch der große Dulder für die Sünden der Menschen. Er trägt die Sündenschuld der ganzen Welt und nimmt sie durch seinen freiwilligen Opfertod hinweg. Also gerade das Centrale des Christenthumö, die Versöhnungstheorie, dieser Stein des Anstoßes der modernen religiösen Weltanschauung, ist im Gebiete der Hagaba deutlich ausgesprochen. Daß nach dieser Seite hin die Hagada auch für den Christen vieles Anziehende und Erhebende bieten muß, liegt auf der Hand. Daher haben wir es unternommen, gerade den Werth und die Wichtigkeit der Hagada für das Christenthum in folgender Skizze darzulegen. Wir glauben diesen Vorwurf um so eher rechtfertigen zu können, als bis jetzt, so viel wir wissen, eine solche Darlegung in unserm Sinne noch von Niemand unternommen worden ist. Vielleicht gelingt es uns mit unserer Erörterung die Aufmerksamkeit dieses oder jenes jüdischen Lesers anzuregen und namentlich mit dazu beizutragen, daß über das Hagadagebiet in Zukunft nicht so lieblos der Stab gebrochen wird. Damit aber der Werth und die Wichtigkeit der Hagada für das Christenthum um. so sichtlicher in die Augen spränge, hielten wir es für angemessen, die Halacha mit in das Bereich unseres Vorwurfes herein zu ziehen. Bevor wir aber an die Ausführung gehen, dürfte es nicht unangemessen sein, noch Einiges zur schärferen Präcisirung der beiden Begriffe Halacha und Hagada vorangehen zu lassen. Der Talmud wird bekanntlich in zwei Theile getheilt, in die Mischna und die Gemara. Die Mischna, das mündliche Gesetz, soll Moses zugleich mit der Thora auf Sinai von Gott empfangen haben. Damit sie vor Fälschung und Entstellung aber bewahrt bleibe, wurde sie zum alleinigen Besitze der Priester gemacht. Unversehrt, ohne Zuthat und Abzug gelangte sie von Vater zu Sohn und dieser lehrte sie wiederum seinen Kindern. So ging das von Jahrhundert zu Jahrhundert fort, bis endlich Rabbi Jehuda, der Fürst (Knwn), auch der Heilige*) *) Den Grund zu der Benennung „Hakkadosch“ lesen wir Schabb. 118b.- }Ö IT D’Mfl üb VÖ’ÖtJ», er soll seine Hand niemals abwärts vom Gürtel gebracht, d. h. er soll, um sich nicht zu entweihen, niemals eine unwürdige Stelle berührt haben.

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