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Dibre Emeth · 1870-01-01 · 5-6 (1870) · page 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
5-6 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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95 nicht schlecht gegen dich handeln. Willige zu erfüllen die dir auferlegte Strafe und Buße, so wollen wir schon dir alles thun, was du nur wünschen magst!" Ich war mürbe geworben; dachte, handeln st« schlecht, so kommt eS doch einst an den Tag, wie treulos fie gegen mich stnd. Ja, es kam an den Tag, wie ste die edelsten Menschen wie die verächtlichsten Sklaven mißhandeln. Nun, ich willigte ein in ihren bösen Beschluß und sprach: wohlan, ich will Alles erfüllen, was ihr mir auferlegt. Aber ich bitte, mir ein geneigtes Ohr zu schenken; ihr, die ihr diese Zeilen lesen, ihr Verständigen, Menschlichfühlenden, die ihr diese Nachricht hören möget, erwägt, was diese Leute, selber unter ftemder Herrschaft sich befindend , gegen mich ersannen, gegen mich ausübten, gegen einen Menschen, der nichts verbrochen hatte. In der von Männern und Weibern und Kindern angesüllten Synagoge angekommen — denn zu solchem Trauerspiel pflegen die Menschen gar zu gerne zu laufen — mußte ich eine hölzerne Kanzel besteigen und las mit lauter Stimme eine von ihnen verfaßte Schrift, deren Inhalt ungefähr also lautete: „Ich bekenne, daß ich des-Todes würdig sei , denn ich habe den Sabbath entheiligt, den Glauben entwürdigt und dergl. Verbrechen begangen. Ich verspreche, künftig nie wieder solches zu thun und in ähnliche Verbrechen zu verfallen." Nachdem ich diese Lektion beendigt hatte, kam zu mir der hochgeehrte Vorsteher, sagte mir leise ins Ohr, ich möchte mich nun in einen Winkel der Synagoge entfernen. Ich that dieses. Der Thürsteher trat an mich heran und befahl mir, mich bis zu dem Gürtel zu entkleiden. Ich gehorchte. Er band dann ein Tuch um mein Haupt, und ich mußte meine Schuhe abziehen. Ich gehorchte. Ich mußte dann eine Säule umfassen mit beiden Armen, an welche mich der Thürhüter anband. Darnach kam der Vorsteher und gab mir nach Anweisung ihrer sauberen Satzungen vierzig weniger einen Hieb mit einem Riemen auf den entblößten Rücken. Während dieser Procedur wurden Psalmen gesungen. Hierauf setzte ich mich auf den Boden nieder, und der Rabbi trat zlt mir und entledigte mich von dem Bann. Es wurde mir die Pforte des jüdischen Himmels wieder geöffnet. Ich kleidete mich an, mußte mich aber auf die Schwelle des Eingangs niederwerfen, wo mir der Thürhüter den Kopf hielt. Alles, Greise und Knaben, gingen sodann über mich hinaus. Als Alle hinaus waren, stand ich auf, wurde vom Diener — Niemand sage noch, daß ste mich nicht geehrt hätten , nachdem ich meine Strafe erlitten hatte — vom Staube gereinigt und ich ging so nach Hause. Diese unerwartete und bis dahin ganz unerhörte öffentliche Beschimpfung brachte bei dem Gezüchtigten allerlei Gefühle der tiefsten Rache, nur nicht die der Buße hervor. Er war bis zur Verzweiflung gebracht worden. O, welche Menschen, welche Barbaren! von welchen ich nichts Beschimpfendes erwarten durfte Es urtheile, wer

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