Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 5-6 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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94 alle Mne Aeußerungen und Warnungen mitzutheilen. Diese Rach^ richt erhitzte sie alle sehr; sie hielten Versammlungen und beriethen gemeinschaftlich mich zu verderben. DasVolk schrie: kreuziget, kreuziget ihn! Vor das Rabbinat und die Aeltesten berufen, hörte ich, wie mir eine Anklage mit gedämpfter und klagender Stimme gleich einem Todesurtheil vorgelesen wurde. Nach langer Diskussion waren die Stimmen getheilt und endlich kamen sie überein, abermals einen siebenjährigen Bann über mich zü verhängen, und wenn ich ja wieder in die Synagoge ausgenommen werden sollte, so könne es nur unter folgenden Bedingungen geschehen: „Mit einem Trauergewand in die Synagoge kommend, eine schwarze Kerze in der Hand tragend , sollte ich die von ihnen gegen mich verfaßte Anklage öffentlich laut ablesen und meine Selbstverdammung aussprechen. Dann sollte ich öffentlich mit ledernen Riemen gepeitscht und endlich auf die Schwelle niedergeworfen werden, so daß alle Leute über mich wegschreiten sollten." Mein ganzes Wesen und alle meine Gefühle empörten sich in meinem Innern bei dem Anhören dieses ungerechten UrtheilS von den ungerechten, unmenschlichen Richtern. Zom und Wuth tobten in mir. Ich antwortete: einem solchen Urtheil unterwerfe ich mich nicht. Kaum ließ ich diese Worte hörbar werden , so wurde abermals ein Dann gegen mich geschleudert. Aus der Straße drängte sich alles um mich — um mich anzuspeien und mich zu schmähen und zu beleidigen. Jeder glaubte hierdurch ein besonders gutes Werk zu verrichten, gleich jenem einfältigen Bauern auf dem Eoncil zu Kostnitz, der einen Spahn zu dem Scheiterhaufen des unglücklichen Hieronymus von Prag brachte, um so das gute Werk befördern zu helfen. Sieben Jahre verflossen mir unter diesem trüben und höchst schmerzvollen Verhältnisse, Unerhörtes habe ich seitdem erduldet. Von zweierlei Feinden wurde ich mißhandelt, von den Juden und meinen Verwandten, sie mhten und rasteten nicht, bis sie mich ganz zu Grunde gerichtet. „Ohne Zwang," meinten sie, würde ich nichts thun, daher müßte ich gezwungen werden. Und wie kamen sie nicht diesem Vorsätze nach! In Krankheitsfällen ließen sie mich hilflos, verlangte ich einen Richter, so war keiner da, der mir Gehör schenkte. „Unterwirf dich," — hieß es oft — „wir find ja alle deine Väter, wir wollen ja