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Dibre Emeth · 1870-01-01 · 5-6 (1870) · page 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
5-6 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
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96 dies liest, welch ein Anblick war es, einem alten Mann von nicht gemeiner Herkunft und von Natur außerordentlich schamhaft, entblößt vor einer Gemeinde, Männern, Frauen und Kindern, auf Befehl einiger Rabbinen sich mit Geißeln gestrichen zu sehen! Man denke an meine« Schmerz, mich zu den Füßen meiner Feinde niederwerfen zu müssen, vor Leuten, die mir solches Unrecht und eine so große Menge Leiden über mich gebracht hatten. Aber noch schaudervoller war es, weny meine leiblichen Brüder ganz uneingedenk der Liebe, die ich ihnen immer bewiesen, der Wohlthaten, die ich gegen sie geübt, alles aufgeboten hatten, um mich mit Schande und Spott zu überhäufen. Mein Gefühl war empört und mein Zustand kraftlos, um Rache zu nehmen an allen meinen Feinden (I!). Denn welcher sittliche Mensch wagt dies Alles zu ertragen, wer wollte auch noch ein solch mit Schande Überhäuftes Leben länger ertragen! und wie viel gerechter ist nicht meine Sache denn die ihrige? Ich forschte und fand Wahrheit und Menschenrechte, sie aber kämpften für die Lügen und falschen Satzungen. Ich will nicht in Abrede stellen, daß, wenn ich die Klugheit dieser Weltkinder besessen hätte, oder besitzen wollte, es besser und vortheilhafter für mich gewesen wäre zu schweigen. Denn auf diese Art ist man am sichersten gegen Mißhandlung des Pöbels und der Tyrannei; man entgehet so ihren Verfolgungen und Unterdrückungen. Doch, ich war betrogen von einer falschen Religion, unvorsichtiger Weise bin ich mit ihr auf den Kampfplatz getreten, so ists besser mit Ruhm zu unterliegen, der Wahrheit die Ehre zu geben und wenigstens ohne nagenden Kummer zu sterben. Ich bekenne und beklage es, von einer solchen Menge unterdrückt worden zu sein. Mein Zorn brennt in mir mächtig, Alles schreit in mir: Es ist unedel, gegen Unedle, Stolze, Hartnäckige edelmüthig zu sein. Dies kann ich sagen, aber ich bin kraftlos-! Hier habt ihr den Abriß meiner Lebensgeschichte und ihr werdet sehen, welche Person ich auf dem eitlen Schauplatz dieser Welt in meinem unbeständigen unglückseligem Leben gespielt habe. Richtet unparteiisch, frei und der Wahrheit gemäß, wie es Männern geziemt. Findet ihr euch zu Mitleid geneigt, so erkennet und beweinet das traurige LooS der Menschheit, das auch euch zu Theil geworden ist!" Wenige Tage, nachdem der tief gekränkte und aufgebrachte Wann diese Zeilen geschrieben , faßte er den Entschluß, seinen ihm am meisten verhaßten, oben erwähnten Neffen zu erschießen. Er paßte die Gelegenheit ab, wenn er bei seinem Hause Vorbeigehen wollte. Er erblickte seinen Neffen und drückte die Pistole auf ihn ab; der Schuß versagte, sogleich schloß er die HauSthür zu und gab sich mit der andern Pistole, die er zu diesem Zwecke geladen hatte, den Tod. I« Commission: Carl Dülfer's Buchhandlung in Breslau. Druck von E. H. Storch, und Comp, in Breslau.

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