Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 5-6 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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93 kehren, um mit den Wölfen zu heulen. Diese Gedanken verließen mich nicht. Mein Herz sehnte sich nach Umgang, und ich kam zu dem Ende zu dem Entschluß, nachdem ich fünfzehn traurige Jahre in diesem elenden Zustande gelebt hatte, meine frühere gegen das Judenthum und den Rabbinisinus gethane Aeußerungen zu widerrufen, alle Lehrsätze des Talmuds zu unterschreiben, um so'wieder in die Synagoge ausgenommen zu werden. Einer meiner Neffen stellte sich, als ob Liebe ihn triebe, bei mir als Unterhändler zwischen mir und dem Rabbiner ein. So wurde ich wieder in die Synagoge ausgenommen. Doch gar zu bald fand ich hinreichende Muße, meinen übereilten Schritt zu bereuen. Ein Knabe bemerkte, daß ich bei dem Genuß der Speisen jene kleinlichen Vorschriften der radbinischen Satzungen nicht beobachtete, und daraus entstanden mir neue Verfolgungen. Mein Reffe, der als Vermittler zwischen mir und dem Rabbinat war, glaubte durch mein Betragen in seiner Ehre gekränkt zu sein und da er ohnehin stolz und eitel und ehrsüchtig war, so verschmähte er kein Mittel, um auch meine leiblichen Brüder aufzuhetzen, zettelte einen förmlichen Krieg gegen mich an und suchte mich meiner Ehre und meines Vermögens zu berauben. Ich wollte mich gern verheirathen, er verhinderte es. Einer meiner Brüder, der mein Vermögen in seinem Geschäft hatte, wurde durch ihn verleitet, es mir vorzuenthalten. Doch mit diesem häuslichen Elende war mein Leidensmaaß noch nicht voll; auch die Rabbiner glaubten sich dazu berufen, dasselbe ganz anzufüllen, sie begannen mich schrecklich zu verleumden und mir alles Ueble nachzureden. Eine Unvorsichtigkeit beförderte und beschleunigte meinen Untergang. Zwei Christen kamen aus England, mit der Idee, in Amsterdam zum Judenthum überzutreten. Sie kamen zufällig mit mir zusammen, eröffneten mir ihr Vorhaben. Ich, der Vielgeplagte, der die Folgen des Abfalls hart büßen mußte, fühlte mich gedrungen, diesen Verirrten die reine Wahrheit über das so vermeinte Judenchum auszusprechen, um sie vor dem gefährlichen Schritte zu warnen und ihnen zu zeigen, welches unerträgliche Joch sie auf ihre Schultern nehmen würden. Sie hörten meine Warnung ruhig an, und nachdem ich sie um das tiefste Stillschweigen gebeten Hatte, gingen diese Elenden, denen es mehr um den Gewinn als um die Wahrheit zu thun war, um dem Rabbinat