Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 5-6 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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SS Leüen und unglückliches Ende Uriel Acostas, ein WarnungSruf für manche Verirrungen unserer Zeit (Schluß.) -Ein anderes weniger schädliches Mittel beschlossen die Juden gegen mich, meine Jrrthümer schriftlich zu widerlegen. Sie beauftragten einen jüdischen gelehrten Arzt, Samuel de Silva, im Jahre 1623, mit der Anfertigung einer Schrift gegen mich, in der er mich als einen Ketzer, Apostaten, Epikurärr undAtheisten schilderte. NachJahresftist faßte ich eine Schrift ab und suchte mich in derselben gegen die wider mich von de Silva erhobenen Anklagen zu vertheidigen. Diese meine Vertheidigungsschrist war den Juden sehr erwünscht. Sie ergriffen diese Gelegenheit, um mich bei dem Magistrate zu verklagen als einen Mann, der die Unsterblichkeit der Seele leugnete, und als einen, der selbst der christlichen Religion durch solche Irrlehren gefährlich werden möchte. Der Anschlag gelang ihnen nur zu gut. Der Magistrat verurtheilte mich zu achttägiger Gefängnißstrafe und zur Bezahlung von 300 Gulden Strafe. Mein Buch aber wurde nnt Beschlag belegt. Einige Zeit nachher, da wir durch Erfahrung immer mehr zur Einsicht gelangen und unser Urtheil über viele Gegenstände sich ändett, —l warum sollte ich nicht die Wahrheit gestehen, ich mache hier gleichsam mein Testament, um den Menschen ein Bild des menschlichen Elends zu hinterlassen — fing ich an, selbst das Gesetz Gottes durch Moses zu bezweifeln. Viele Gründe schienen mir zu beweisen, daß Alles blos eine Erfindung der Menschen sei. Manches in den Schriften MoseS schien mir gegen das Naturgesetz zu streiten- Gott nun, als Urheber der Natur, kann doch unmöglich mit sich selbst im Widerspruch sein? Dies aber würde der Fall sein, wenn er dem Menschen beföhle, etwas gegen die Natur zu thun. So fest nun auch meine Argumente mir erschienen, so haben dennoch die vielen Leiden und die fortwährende Schmach und Einsamkeit, in der ich lebte, mein Gemüth weich gemacht, und ich fragte mich oft selbst: was soll daraus werden? Soll ich bis an meines Lebens Ende in Feindschaft mit denen, die aus meinem Volke find, leben? Der Landessprache unkundig, konnte ich mir nicht einmal unter den Christen einen Freund suchen — und ich dachte wieder zu den Juden zurückzu-