Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 5-6 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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90 ist, wenn die Juden der heutigen Tage, welche im Vergleich zu allen Anderen viel mehr Wohlleben aufzuweisen haben, eben dabei sich als Märtyrer betrachten. 8. Der Mosaismus. Wenden wir uns aber nunmehr, nachdem wir über den von den heutigen Juden in Anspruch genommenen allgemeinen Charakter des Judenthumö aller Zeiten die bisherigen Urtheile zu fällen uns genöthigt sahen, zu der Periode der Geschichte Israels, welche von den heutigen Juden „der Mosaismus" genannt wird, so können wir ja, um den Zusammenhang mit dem Bisherigen inne zu halten, sogleich der Behauptung, daß schon das mosaische Gesetz das israelitische Leben zu einem Märtyrerleben gemacht habe, unsere Aufmerksamkeit schenken. a. DaS Leben unter Hem Gesetz als heilige Passion. Der hervorstehende Zug in dem Leben des durch das mosaische Gesetz geschaffenen Volkes Israel ist keineswegs und zuerst „das Leiden." Im Gegemheil, Israel wird verheißen, daß es vor allen Nationen der Erde die Güte Gottes schmecken werde, wenn es sich selbst in den Gehorsam seines Willens stellen würde. Gerade das sollte durch Israels Volksleben offenbar werden, daß in der Gemeinschaft Gottes dieses Erdendasein das allerschönste und glücklichste ist. Die Völker, welcheCanaan bewohnt haben, werden auSgerottet, um Israel Platz zu machen; ein Land wird ihm geschenkt, in welchem Milch und Honig fließt, Früh- und Spätregen wird ihm verheißen und ein fröhliches Gedeihen nach allen Beziehungen zugesagt, wenn es nur der Stimme Gottes gehorchen werde. Es war doch wahrhaftig kein Martyrium, daß sie aus einer Heerde von Sklaven zu einem freien Volke umgeschaffen wurden, dem sein Loos auf das Lieblichste fiel. Die BeschneiduNg, welche den Juden zu einem Gliede desGotteSvolkes machte, war kein Martyrium, sondern ein Bundeszeichen. Sie sollte ihm sagen, daß erst dann, wenn eine Umwandlung seiner natürlichen Art und Beschaffenheit an ihm vorgegangen sei , eine Gemeinschaft zwischen ihm und Gott bestehen könne. Eine ernste Mahnung also, daß der Israelit von Natur ftir Gottes Gemeinde nicht tauge, sollte