Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 5-6 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554781-2554785--05337-2561292- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
88 wart anzuwendeir, in welcher die Cultur den Juden gerade bequem ist. Wir sagen also, daß dieselbe noch nicht bewiesen hat, ob sie wirklich die Lebenskräfte der Offenbarung besitzt; während wir allerdings erfahren haben, daß die bei aller Cultur sittlich versumpften Völker keine andere Rettung fanden als die Religion deS Christenthums. Wo bleibt aber nach alledem die Stelle des nachchristlichen Judenthums, welches stch die Religion der Wahrheit nennt? Die gläubigen Christen wollen in Sachen der Religion das gegenwärtige Judenthum nicht anerkennen, die ungläubigen Christen können von ihm nichts lernen , was sie nicht im eigenen Lager schon früher und besser gefunden hätten; die Heiden tauschen ihr Heidenthum höchstens gegen das Christenthum ein; alles Große und Schöne und Reue auf dem Cultur- und Wissenschaftsgebiet tritt zuerst irgendwo unter den anderen Völkem auf. Man zeige uns den Punkt, an welchem die Welt durch die Hände der Juden, welche vom Christenthum stch abgewandt haben, ' das Heil ihres Lebens empfinge! Es ist doch ein seltsames Ding um chre Mittlerschaft! 6. Das Judeuthum und die Proselytenmacherei. Wenn 'nun aber das Judenthum in der nachchristlichen Zeit bei der im Heidenthume versunkenen Menschheit und bei den auch durch das Christenthum nach seiner Meinung immerhin noch sehr verfinsterten Völkern einfach vorüberging, ohne die Hand zur Hilfe zu rühren, dann rechtfertigt man solches Verfahren aus dem jüdischen Abscheu gegen alle Proselytenmacherei. Eben dies ist auch die Antwort auf die Frage nach ihrer helfenden und rettenden Liebe. Nun, die Millionen, welche daS Evangelium angenommen haben, fteuen sich der sogenannten Proselytenmacherei des Christenthums, das im Stande war, selbst den Tod zu wagen, um die Versinkenden zu retten; und die Herzen werden zu einem Danke gegen den Gekreuzigten, welcher stirbt, die Sünder zu erlösen, erweckt, der ihm nicht besser zu dienen weiß als damit, daß er sich ausmacht, die Seligkeit des Lebens in der Gemeinschaft Gottes der ganzen Welt zu bezeugen. Das Christenthum hat unzählige Menschenherzen bis in die innersten Tiefen ihrer Liebe mit seinem Ruhme zu erfüllen gewußt — und das Judenthum? Kalt ist