Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 5-6 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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SS für sich beanspruchen dürfen; oder den Chinesen, die mit dem Beweise ihrer uralten Existenz alle andern Religionen abweisen, würden wir Neulinge daS Feld einräumen müssen. Ueberhaupt aber würde alle Sünde und Schande unter dem Titel des ehrwürdigen Alters oder Daseins ihr Recht an die Menschheit proklamiren können, und eben damit jedes Fundament unter unseren Füßen zusammenstnken. Die Sonne leuchtet und wärmt, und eben darum, weil sie beides thut, weil diese ihre Kraft erfahren wird, gilt sie unö als die Herrscherin des Tage-. Wäre das Judenthum die Sonne der Menschheit, wir müßten eS in solcher Weise durch die Erfahrung unseres Leben kennen gelernt habe». Entweder sind wir Staarblinde, welchen trotz aller Jahrhunderte das Licht noch nicht aufgegangen ist, und eben dann wird an der Heilung des Patienten auch verzweifelt werden müssen, so daß ewig einsam außerhalb der übrigen Menschheit daS Judenthum stehen bleiben muß; oder die vermeintliche Sonne ist in Wirklichkeit nicht das leuchtende Gestirn der Welt. Entweder Israel kann also den, wie doch behauptet wird, von Gott chm verliehenen Beruf in der Menschheit nicht ausführen, weil Alles an unserer unüberwindlichen Blindheit scheitert — und dann hat auch Gott in der Wahl des Mittels für die Ausführung seines Planes sich vergriffen oder er hat trotz seiner Allwissenheit sich über unS andere Menschen getäuscht — oder aber die Sache mit Israel steht noch anders, als die Juden es meinen. Hätten sie Recht, so wäre ihre Eristenz eine in jeder Beziehung ihrem Zweck nicht entsprechende, daö größte aller geschichtlichen Räthsel. Judenthum und Christenthum verhalten sich in der jüdischen Anschauung wie Sonne und Mond. Die Juden gestehen es gegenwärtig dem Christenthume ein, daß es mit seiner geringeren und von ihnen entlehnten Macht einen wohlthätigen Einfluß auf die Menschheit auSgeübt habe. Stellen wir nun Judenthum und Christenthum oder nach Wischer Vorstellung, die Weltreligion und die kleinere Tochter, in ihr« Arbeit an der Menschheit einander gegenüber und lassen wir die Regel gelten: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen, wie lautet dann die Antwort der Weltgeschichte? Während diejenigen Juden, welche wir als die ersten Bausteine im Tempel der christlichen Kirche kennen, an derWelt wahrhaftig gearbeitet haben; während durch sie der Kampf