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Dibre Emeth · 1870-01-01 · 5-6 (1870) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
5-6 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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schönes sei, als sie selbst glauben? Sollte nicht der Sinn für^ Wahrheit sie treiben einer neuen Prüfung zu unterwerfen, woraus nach allen diesen Einwendungen ihr Anspruch, die rechten Mittler oder Lehrer in religiöser Beziehung sein zu wollen, sich noch gründet? Wir sind ja wahrhaftig nicht von vornherein gegen das eingenommen , was von den Juden kommt. Im Gegentheil, wir bekennen mit dem Neuen Testamente: das Heil kommt von den Juden. In den Leistungen, welche aus der natürlich menschlichen Kraft entspringen , räumt besonders ein gebildetes Volk einem anderen schwerlich den Vorzug vor sich selbst ein, aber die Vorzüge der gläubigen Juden des Alten und Neuen Testaments haben unsere höchste Anerkennung gefunden. Wir sind so wenig bei unserem Eigenen stehen geblieben, daß wir vielmehr rühmen von jenen Juden das Beste empfangen zu haben; unsere eigentliche Seligkeit in Zeit und Ewigkeit bemht gerade auf dem, was wir aus den Händen derselben -angenommen haben. So willig sind wir gewesen das von Juden zu uns Gekommene gelten zu lassen; kann es also wirklich nur auf Verblendung beruhen, wenn wir uns nicht zu überzeugen im Stande waren und sind , daß die Vorzüge der dem Christenthume abgewandten Juden das eigentliche Licht für das Menschengeschlecht seien? . Man spricht jüdischerseits die gewisse Erwartung aus, daß uns „noch einmal der Staar werde gestochen werden," und wir alsdann die Juden als die rechte Gottesgemeinde erkennen würden. Das Alte Testament sagt uns, daß die aus der Heimath Vertriebenen „von Gott Verstoßene" und nicht mehr das heilige Gottesvolk sind; und wir sollen U«s dennoch, trotz des Alten Testaments und trotz der Worte, die Gott seihst geredet, um jeden Preis an sie als die einzig rechten Lehrer, der Wahrheit halten? Man muthet uns zu, nachdem man so eben noch zugegeben hat, daß die Zerstörung Jerusalems durch Titus und die darauf erfolgte Zerstreuung des Volks ein Gericht gewesen feien, trotzdem dasselbe Israel in unserer Mitte als den reifen Samen zu betrachten, welcher in der ganzen Welt zum Fruchtbringen ausgestreut worden sei. Wir sollen nun einmal durchaus unser Maß in den Juden erkennen, und wie wenig auch, Israel vor seinem Gotte bestehen mag, für uns sosi eS immerhin noch groß und herrlich genug sein, um uns als die Mystergemeinde zu gelten.

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