Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 5-6 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554781-2554785--05330-2561285- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
81 5. Die Juden als Repräsentanten oder Mittler der Wahrheit. Wenn nun von den Juden der Anspruch erhoben wird, daß die von ihrem Stammvater Abraham und seinem Volke eingeschlagene und aus eigenem Antriebe erwählte Richtung die allein rechte und richtige sei, so fordern sie danach auch, daß die übrige Menschheit sich beide als Lehrer gefallen lasse. In diesem Sinne gilt Israel thatsächlich ihnen alSder Mittler für die Menschheit, und beide jüdische Parteien halten daran gar ernstlich fest, so sehr auch besonders die Reformer das Wott vermeiden oder wohl gar an den Pranger stellen, und so sehr sie es als den wundervollen Grundsatz des Judenthums preisen, daß es jeder Mittlerschaft ein Ende gemacht und den Menschen in ein unmittelbares Berhältniß zu Gott gesetzt habe. Alle Ansprüche auf die Berechtigung des JudenthumS leiten ja noch heute die verschiedenen Parteien desselben davon her, daß von ihm aus allein die Welt zur rechten Erkenntniß Gottes und deS Verhältnisses zwischen Gott und Menschen gelangen könne. Die Mittlerschaft, um derentwillen das Christenthum so heftig getadelt wird, bleibt «nS also nicht erspart, sondern wir werden vielmehr an die Juden selbst, an ihre Gemeinschaft oder ihr Volk, so gut oder so schlecht es auch sein mag, gebunden; in ihnen selbst und von ihnen sollen wir den rechte» Aufschluß über die religiöse Wahrheit annehmen. Die Juden können sich nämlich gar nicht denken, daß sie möglicherweise ein Gefäß geworden seien, das den ihm anvertrauten Inhalt der göttlichen Wahrhett verschüttet und sich dagegen mit einem anderen Inhalt erfüllt habe. Nicht, was ihnen von Gott anvertraut und übergeben ist, sondem waS sie selbst sind: Die Person ihres Volkes mit den historisch sich wandelnden Gedanken und Meinungen desselben soll uns gewissermaßen die steischgewordene Wahrheit sein, und wer das nicht einsieht, für den haben ste nur ein scharfes Urtheil oder im günstigsten Falle die Hoffnung, daß ihm die Augen noch einmal aufgehen werden. ES wird unS ein merkwürdiger Ersatz für die Mittlerschast Christi angeboten. Den Mittler Jesus wollen die Juden nicht gelten kaffen, und doch , die Thatsache sehen sie ja selbst, wird eben der von ihnen Verworfene nicht blos an einem Orte, nicht blos von einer Menschen« 6