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Dibre Emeth · 1870-01-01 · 5-6 (1870) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
5-6 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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80 Und hörten die Wunder mit der fortschreitenden Entwickelung des Volkes auf, wie kommt es, daß die Verheißungen der Propheten die allererstaunlichsten Wunder, welche sogar Himmel und Erde umwandeln sollen, für die Zukunft Voraussagen müssen? Oder gälte die Regel: sie wirken mehr ins Große und Allgemeine, dann hätten sowohl Gott selbst als die Propheten mit ihren Wundern sich recht oft versündigt. Warum denn nicht lieber einfach eingestanden: wir wollen die Wunder nicht haben, als sich auf solche Weise mit denselben herumquälen und den unehrlichen Kampf führen, daß man im Lager des Gegners schlägt, was doch viel früher und in ganz ebenso hohem Maße im eigenen Lager gefunden ward? Wer dagegen die Sünde wie das Alte Testament beschreibt und von demselben auch die unangenehme Lehre sich sagen läßt, daß eben um der Sünde willen das Leben unter dem Fluche oder Zorne Gottes liegt, der begreift es ganz leicht, daß allein das Wunder des Menschen Heil ist. Denn er sieht dann auch, wie dasselbe in dem zum Grabe hineilenden natürlichen Leben die Anfänge eines neuen schafft, das eben der heilige und ewige und barmherzige Gott der Menschheit zugedacht hat. Wer aber die Sünde nicht wie das Alte Testament ansehen will, klammert sich an dieses Dasein, welches ihm die Jahre seiner Gegenwart geben. Da ist ihm das Wunder ein störendes Eingreifen Gottes, eine unerträgliche Mahnung, daß er sich nicht selbst angehöre, daß nicht der Genuß des Augenblicks sein eigentlicher Beruf sei, und eben darum muß er im Interesse der Selbsterhaltung seines Erdenwesens mit dem Protest des Verstandes das Wunder zu beseitigen suchen. Für ihn bleibt seine Liebe, seine Freude und seine Hoffnung in dieses von Sünde und Tod zerrissene Dasein beschlossen; nur von einer Veränderung oder einem Fortschritte dessen, was im Bereiche der Sinne liegt, kann er reden, er braucht nichts anderes; was sollen für ihn deshalb die Gnade und der Diener derselben, das Wunder? sie sind beide für ihn eine Beleidigung und die eigentlichen Feinde seiner Sache.

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