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Dibre Emeth · 1870-01-01 · 5-6 (1870) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
5-6 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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religiösen Gedanken des heutigen Judenthums die Ansichten über das Wunder gar nicht erwähnt, sondern absichtlich uns Vorbehalten, erst an dieser Stelle auf dieselben einzugehen. Denn der Gegensatz der Anschauungsweise des Alten Testaments und des modernen Judenthums ttat recht deutlich heraus, wenn man sah, wie in dem letzteren das Wunder nörhigenfalls auch ganz bei Seite bleiben konnte. Die jüdische Orthodoxie nun hat meist gegen die Wunder des Alten Testaments und des Talmud nicht viel einzuwenden; im Gegentheil sieht sie dieselben als eine recht schöne Beigabe der Geschichte Israels an. Der Gott Israels hat sich auf diese Weise als der allmächtige Herr Himmels und der Erde bewiesen. Daß er allein Gott ist und sonst Keiner, hat die Welt an den großen Thaten, welche er unter den Juden vollbracht, erkennen sollen, und daß Israel sein Volk ist, hat er der Welt durch dieselben Thaten kund machen wollen. Der leitende Gesichtspunkt in der Erklärung der Wunder ist für die Orthodoxen auch in diesem Falle, daß Israels wohlerworbener Vorzug durch dieselben allen Völkern recht deutlich gezeigt werden sollte. Unangenehmer fühlen sich die Reformer vom Wunder berührt. Man gesteht in dieser Partei wohl vielfach noch ein, daß im Alten Testament Wunder geschehen sind, aber fügt hinzu: „nur so lange, als das Volk roh war, um den Lehren und Gesetzen Gottes bei demselben Eingang zu verschaffen." Nach dem Eril, sagt man uns, hörten sie auf, weil das Volk in der Lehre fest war. Schon in den Zeiten der Propheten und der Könige hätten sich nur wenige Wunder gezeigt, und der Wunderglaube jener Periode sei ohne öffentlichen und kirchlichen Charakter gewesen, er habe nur legendenartig im Volke gelebt. Auch seien die Wunder des Alten Testaments öffentlich vor dem ganzen Volke geschehen, und daher unzweifelhaft, wie besonders das Wunder der vierzigjährigen Speisung in der Wüste; nicht privater Art, sondern influirettd auf die Geschicke des Volks; die anekdotischen Wunder des Talmud aber seien keine Glaubensartikel wie die Wunder des Neuen Testaments, das dieselben gar ausführlich erzähle. Eine solche Beweisführung dürfen sich die jüdischen Theologen heutigen Tages unter den Ihrigen erlauben! In der That, man muß sich wundern, wo da das Schamgefühl geblieben ist.

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