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Dibre Emeth · 1870-01-01 · 5-6 (1870) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
5-6 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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75 den menschlichen Verstand und das menschliche Gemüth am höchsten befriedigen soll, wenn nun sein Verhältniß zu der christlichen Welt ins Auge gefaßt wird. Es hat allerdings Zeiten in der christlichen Kirche gegeben, wo, mit Ausnahme des Grunddogmas von der jüdischen Vortrefflichkeit, fast alle die übrigen Ansichten, welche die heutigen Juden als den Hauptinhalt ihrer Religion bezeichnen, eine größere Geltung zu gewinnen suchten; eS waren in verschiedenen Jahrhunderten die Zeiten der Arianer, der Socinianer und der Rationalisten. Nach der Fortschrittstheorie hätten diese eine so völlig andere Entwickelung der Menschheit herbeiführen müssen, daß eigentlich die Geschichte sich eine Fälschung erlaubt hat. Denn was soll man dazu sagen, daß diese dem Judenthum so viel verwandteren Richtungen nur ein ganz schlechtes Andenken unter den Christen sich erhalten haben. Auf Seite der Urtheilsfähigen schämt man sich mit dem Namen jener Parteien genannt zu werden. Denn die Einen blicken auf jene Schwächlinge, welche die christlichen Dogmen zwar beseitigen wollten, dafür aber nur eigene, noch unverdaulichere Dogmen zurückließen, mitleidig herab, und geben dem kirchlichen Christenthum wenigstens zu, daß es ein konsequentes System sei, während der Rationalismus keinem forschenden und entschlossenen Geiste eS recht zu machen verstehe. (Eben dieselben sind selbst auch energischer vorgegangen und geben in Sachen der Religion Jedem die Freiheit zu denken, wie es ihm am meisten zusagt, ohne es zu gestatten, daß auf diesem rein persönlichen Gebiete Einer den Anspruch machen dürfe, das Bessere wissen und besitzen zu wollen.) — Die Anderen aber sind zu dem altchristlichen Glauben zurückgekehrt und erfahren in ihm immer neue Tiefen der Weisheit wie der innersten Befriedigung. Gerade deßhalb befindet sich das Judenthum mit seinen Ansprüchen in einer recht schlimmen Lage. Es ist der Ueberzeugung, daß wir schließlich in seine Arme uns flüchten würden. Aber aus unserer eigenen Mitte, durch Christen, ist uns ja das bereits genugsam empfohlen worden, was uns das Judenthum darbietet. Wir haben die Ansichten derer, die aus unseren Kreisen mit diesen so stark als göttliche Wahrheit gepriesenen Lehrsätzen oder Ideen hervorgetreten sind, hinreichend zu prüfen Gelegenheit gehabt; aber wir haben uns

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