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Dibre Emeth · 1870-01-01 · 5-6 (1870) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
5-6 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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74 in einer beständig fortschreitenden Entwickelung befinde. Die geschichtliche Erfahrung zeigt uns etwas Anderes; sie vermag uns nichts davon zu sagen, daß Geist und Gemüth ihre höchste Befriedigung durch das Judenthum fänden. Dasselbe hat früher als das Christenthum auf die Welt einzuwirken begonnen und allerdings dem Heidenthume gegenüber theilweise sich Anerkennung zu schaffen angefangen; Babylonien, Persien, Klein-Asien, Aegypten und selbst Italien in der Kaiserzeit, haben den Einfluß des Judenthums erfahren; bekannt ist ja der Aerger römischer Schriftsteller über die wachsende Zahl jüdischer Proselyten. Vielfach jedoch ging das Judenthum unter den anderen Völkern einen Compromiß mit dem fremden Geiste ein, den es zu gewinnen suchte, und gewann dadurch ein solches Gepräge, daß die heutigen Juden sogar von fremdartigen Zügen und Einflüssen in demselben sprechen. Es hielt sich also nicht auf seiner Höhe, sondern wurde selbst von den niederen Geistesmächten mehr oder minder beeinträchtigt, und zwar gerade in der Zeit, in welcher, wie uns die Juden versichern, das Heidenthum in Israel überwunden war. Aber noch viel wunderbarer ist es, daß trotz des jüdischen Dogmas von der fortschreitenden Entwickelung der Welt, das Mondlicht des Christenthums das Sonnenlicht des Judenthums, welches so viel früher seinen Glanz auszustrahlen begonnen hatte, in den Schatten zu stellen vermochte. Wie hätte doch, wenn die jüdischen Voraussetzungen die richtigen sind, das Christenthum, welches überall dort eintrat, wo das Judenthum schon längst und vielleicht Jahrhunderte lang eingebürgert war, nur dazu dienen müssen, die Majestät des Anderen um so deutlicher hervorlreten zu lassen! War das Judenthum aller Orten in der Minorität, das Christenthum war es Anfangs noch viel mehr; und hat die Minorität, welche auf christlicher Seite stand, im Laufe der Zeiten so große Macht erlangt, wie groß hätte sich nun gar die Anfangs immerhin bedeutendere Minorität des Judenthums in demselben Zeitraum erweisen müssen! So müßte sich das Resultat Herausstellen, wenn wir auf die jüdische Logik eingehen, aber die wirkliche Erfahrung giebt es nun doch wohl an die Hand, daß im Vordersätze der jüdischen Schlußfolge ein Fehler enthalten ist. Nicht besser stellt sich die Sache für das Judenthum, das doch

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