Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 5-6 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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73 annehmen müsse, was doch die verschiedenen jüdischen Parteien in gar verschiedener Weise von ihm verlangen, für einen im Heidenthum Befangenen, mit dem man nicht rechten wolle. Als Grund aber des Verlangens, sich von dem Judenthume in dieser Weise belehren zu lassen, bringt man uns das Decret, daß allein das Judenthum die Religion sei, in welcher Gemüth und Verstand recht zusammen stimmten. Man stellt also dem sonst unter den Menschen gefundenen Verstände undGemüthe den jüdischen Verstand und das jüdische Gemüth gegenüber; die einen trifft in religiösen Dingen der Vorwurf der Verkehrtheit, die anderen dagegen besitzen die den Uebrigen fehlenden guten Eigenschaften. Schlimm ist es nun schon für den menschlichen Verstand, der sich doch von dem jüdischen zurechtweisen lassen soll, die Wahl zu treffen, an welche jüdische Partei er sich eigentlich halten soll. Wir kennen Juden des Alten Testaments und finden unter diesen stets den ernstesten Gegensatz einer ungeheuren Majorität und einer fast verschwindenden Minorität; wir kennen fernerdie nachchristlichen Juden in sehr vielen verschiedenen Schattirungen, wir kennen endlich die sich heftig befehdenden heutigen Orthodoxen und Reformer. Wer unter ihnen hat nun Recht? Unser gewöhnlicher Menschengeist hat doch nach jüdischer Vorstellung gar nicht das Maß den jüdischen Verstand und das jüdische Gemüth zu beurtheilen; beide sind niedere, unausgebildete Organe gegenüber den höheren jüdischen, und werden in der That auch, wenn sie mit Fragen lästig werden, recht schnell an ihr Heidenthum erinnert — was sollen wir also thun? Wir, die wir nur Menschen sind, stehen wirklich rathlos den Ansprüchen der Juden gegenüber. Angenommen dagegen, daß der menschliche Verstand und das menschliche Gemüth mit den jüdischen wenigstens verwandt seien, so müßte unser Geist doch erfahren, daß die jüdischen Vorstellungen in sich selbst etwas Gewinnendes und Ueberwindendes tragen. Angenommen, es wäre so, wie uns wohl'die Juden versichern, daß Judenthum und das rechte Menschenthum ein und dasselbe sei, dann wäre wenigstens vorauszusetzen, daß die Welt, sobald sie in Berührung mit den Juden tritt, von ihnen innerlichst angezogen würde; eö wäre dies um so mehr anzunehmen, da uns gesagt wird, daß die Welt sich