Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 5-6 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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70 Gepräge. Im Alten Testament geht Alles von der göttlichen Gnade aus, und auf Seiten des Menschen entsprechen derselben die Buße und der Glaube. Von diesen letzteren werden wir an einer späteren Stelle zu handeln Haben; eS ist jetzt genug, daß wir darauf Hinweisen, wie kein sogenanntes Verdienst sich mit der Offenbarung verträgt. Da aber gerade das israelitische Verdienst in der eigenen Anschauung der Juden die Mutter der Offenbarung ist, so muß auch auf Schritt und Tritt das Wesen derselben in ihrer Beurtheilung verwandelt werden. Im nachchristlichen Judenthume wird der Mensch durchaus auf die eigene Kraft gestellt, und das eigene Vermögen zuerst des Abraham als ein so energisch thätiges gedacht, daß eben darum die Offenbarung mit einer Reihe von Bestimmungen und Geboten oder Ideen in dem Kreise, welcher um diesen Heros sich sammelt, herantritt, um ihm die Mittel und Wege zu zeigen, wie er sein vorzügliches Streben am Besten ausführen und sich selbst Gott immer ähnlicher machen kann. Hat man so das Gnaden- oder Heilswerk Gottes durch bloße Gebote und Anordnungen oder Ideen, welche die Offenbarung ausmachen sollen, verdrängt, so wird nun aber doch gegen diesen Ersatz überhaupt gar Manches sich einwenden lassen. Die Offenbarung wird als etwas den jüdischen Stamm eigenthümlich Auszeichnendes dargestellt, und es waltet das Bestreben ob, im Lichte derselben die Vorzüge recht deutlich heraustreten zu lassen, die das Charakteristische des Judenthums sein sollen. Aber die Art und Weise, wie nun eben diese Sache anschaulich gemacht wird, kann durchaus nicht eine glückliche genannt werden; sie entspricht so wenig dem beabsichtigten Zwecke, daß sie nur die Zahl der ungelösten Räthsel vermehrt. Wir wollen also die Vorstellllng an sich einmal betrachten. Man sagte uns, daß der menschliche Geist alle Dinge aus ihrem Gegensätze erkenne, daß auch das Christenthum Gott nur aus dem Gegensätze zum Teufel begreife, das Zudenthum dagegen die Idee Gottes allein als positiven Begriff besitze. Das von dem Christenthume Gesagte ist freilich falsch. Denn wir wissen von Gott, ehe wir etwas vom Teufel wissen. Gott ist ewig; der Teufel ein Geschöpf, ein Engel, welcher ebenso wie der Mensch seinen ursprünglich heiligen Zustand verlassen