Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 5-6 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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69 kein Prophet hat schärfer als Hosea den Gegensatz zwischen der unverdienten Gnade Gottes an Israel und des Volkes tiefer Unwürdigkeit hervorgehoben. Hosea hat für Israel keinen anderen Namen als „Hurenweib." Er bezeugt dem Volk, daß Gott das bisherige Ehebündniß mit ihm gebrochen, weil es eine Ehebrecherin geworden sei. Und das Unbegreifliche, das Unergründliche der Gnade Gottes will Hosea damit vorstellen, daß er ihm ankündigt: Gott wolle dieses Hurenweib nicht blos wieder annehmen, sondern sogar einen solchen Bund mit ihm schließen, wie ein Mann mit einer unbefleckten Jungfrau. Gott will Israel sich erkaufen mit Gerechtigkeit und Recht, Gnade und Barmherzigkeit. Das ist sein Kaufpreis; das Alles will er daran wenden und so Israel wieder zu seinem Weibe machen. So tief beschämend ist die Liebe GotteS gegen das ehebrecherische Israel; und bei einer solchen Stelle können es Juden über stch gewinnen von ihrem eigenen Ruhme zu reden. 3. Prüfung der jüdischen Vorstellung von der Offenbarung. An die Stelle der Gnade und der Verheißung, welche das göttliche Werk des Heils im Alten Testament begründen, fortleiten und zur Vollendung führen wollen, tritt in der jüdischen Anschauung die Offenbarung entweder eines Gesetzes, wie die Einen dafür halten, oder einer Moral, wie die Anderen behaupten, deren Bedeutung aber in beiden Fällen darin bestehen soll, daß ste dem Menschen das höchste und erhabenste Wissen bringt, nämlich, wie er sich selbst zu immer vollendeterer Aehnlichkeit mit Gott heranbilden kann. Der Gedanke, daß man im Judenthume nicht eine geoffenbarte Religion, sondern ein geoffenbartes Gesetz oder eine geoffenbarte Moral erkennen soll, wird sowohl von Reformern als von manchen Orthodoxen ausgesprochen. Etwas Richtiges liegt ihm auch in der That zu Grunde, denn, wie wir das vorige Mal gezeigt haben, ist das Judenthum eine Volksschöpfung, die eine Stufe in der Entfaltung des göttlichen Heilswerkes darstellt; wir werden darauf in unserer Beurtheilung „desMosaismus" zurückzukommen haben. Die Offenbarung in der altteftamentlichen Auffassung und in der jüdischen Vorstellung tragen aber von vornherein ein sehr verschieveneö