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Dibre Emeth · 1870-01-01 · 5-6 (1870) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
5-6 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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67 Wohl gemerkt, sie wollen nicht wahr haben, was doch das Alte Testament uns zeigt, daß auch bei Abraham und seinen Nachkommen zwischen ihrer eigenen Entwickelung und dem, was ohne ihr Zuthun durch Gottes freie Berufung denselben zu Theil geworden ist, unterschieden werden muß; sondern im Gegentheil: die durchaus eigene Entwickelung der Stammeltern Israels führt dieselben auf ganz neue Bahnen und trägt im Gegensatz zu der sonstigen Menschheit etwas von einem übermenschlichen Charakter an sich. Die Juden meinen das so ernstlich, daß in ihren Schriften „die Juden" ganz gewöhnlich „den Menschen " gegenüber gestellt werden. Also Gott hat nicht, wie das Alte Testament es will, aus reiner Gnade den Abraham und vor ihm eine Reihe Anderer sich zu Werkzeugen seines Rathes erwählt, er hat ihnen nicht einen persönlich unverdienten Beruf zuertheilt, sondern die Leistungen oder Thaten Abrahams und feines Volkes sind es, welche beide von allen übrigen Menschen unterscheiden. Die Ehre fällt dem Abraham und Israel zu, nicht Gott; Gott konnte gar nicht anders handeln, er wäre sonst nicht heilig geblieben. Man will nicht wissen, daß durch die Sünde die große Scheidung zwischen Gott und Menschen eingetreten ist; ausgestrichen wird die Vertreibung aus dem Paradiese und das Gericht des Todes, welcher doch erst die Strafe der Sünde ist — und aus einem schuldvollen Abfall von der ursprünglich anerschaffenen Heiligkeit wird die Sünde vielmehr in das von der Schöpfung her Nothwendige, in das durchaus Normale verwandelt. Die Sünde ist so sehr das ans der Schöpfung des Menschen sich mit Nothwendigkeit Ergebende, daß sie nach der jüdischen Vorstellung durchaus nicht das Vater- und Kindesverhältniß zwischen dem heiligen Gott und den unheiligen Menschen stört; Gott soll schlechthin der Vater aller Menschen heißen. Das Alte Testament freilich theilt diese Anschauung nicht. Adam wird allerdings im Bilde Gottes erschaffen, aber von seinen nach dem Sündenfall erzeugten Kindern heißt es: sie wurden in seinem Bilde geboren. Von da ab braucht das Alte Testament das Wort Vater von Gott nur für das besondere Heilsverhältniß, in welches er mit Israel getreten ist, er nennt sich den Vater Israels; und es sind Juden, nicht andere Menschen 5*

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