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Dibre Emeth · 1870-01-01 · 5-6 (1870) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
5-6 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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66_ dem mosaischen Gesetze die religiöse Wahrheit in solcher Weise auf Erden zu erscheinen, daß von derselben irgendwie ernstlich geredet werden darf. Die religiöse Wahrheit wird recht eigentlich zu einer jüdischen Eigenthümlichkeit und besteht in einer Summe von Erkenntnissen, die zuerst im Schooße Israels entstanden, von Gott alsdann durch die Offenbarung vermehrt und in diesem Volke Leben geworden sind; so daß die übrige Menschheit nur die Pflicht hat, von den Juden sich belehren zu lassen und ihrem Beispiele zu folgen, um mit diesem Mustervolke Gottes Wohlgefallen zu erlangen. Was bei dieser Vorstellung am Meisten in die Augen fällt, ist dies, daß sie sogleich das Fundament der-religiösen Wahrheit auf der eigenen, der jüdischen Herrlichkeit ruhen läßt. Die Menschheit produmt Ws sich selbst das Heidenthum, bekennen die Juden, sobald sie auf alle Anderen blicken; Abraham aber findet nach ihrer Meinung durch seine Naturphilosophie den einzigeinen Gott. Mit dieser selbstgefundenen Erkenntniß des Abraham, daß Gott der Einzigeine sei, hält nach jüdischer Meinung die Wahrheit ihren Einzug in die Welt. Trotz des Alten Testaments müssen also die frommen Urväter Abrahams viele Götter angebetet haben! Allerdings Tharah, Abrahams Vater, wird ein Götzendiener genannt, aber eben so weit ist in seiner Familie schon das Licht der Gotteswahrheit verloschen, während doch in derselben Zeit der inCanaan wohnende Melchisedek ein Priester des wahren Gottes genannt wird. Und da auf diese Weise das Fundament, auf welchem das Judenthum erbaut werden soll, nämlich die Erkenntniß des wahren Gottes mitten unter lauter Heiden , gar nichts demselben Eigenthümliches ist, sondern wie gesagt, z. B. auch von Melchisedek in jener Zeit getheilt wird, so könnten hier bereits die Akten geschlossen werden. So viel ist jedesfallö klar geworden, daß, wenn die Juden nicht etwas Anderes aufweisen können, wenn nicht, statt der von ihnen selbst vermeintlich producirten Erkenntniß der Einheit Gottes, vielmehr eine That Gottes an ihnen, ihre Sache eine verlorene ist. Gehen wir jedoch auf ihre Anschauung noch einmal ein: die Erkenntniß der Einheit Gottes ist ihnen der Anfang der rechten Entwickelung- Dieselbe beruht auf der Person des Abraham.

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