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Dibre Emeth · 1870-01-01 · 3-4 (1870) · page 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
3-4 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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6S lich. Ach liebte zu sehr die Wahrheit. Ich beschloß sie den Juden mitzutheilen und glaubte hierdurch Gott und der Wahrheit die Ehre zu geben." Allein, bald fühlt er sich in seinen Hoffnungen getäuscht. Denn die Rabbiner eifern noch jetzt, wie zur Zeit Christi, für die Satzungen der Pharisäer, und wie jene nach Geld, Ansehen und Ehrenplätzen gestrebt, ebenso diese, und wehe dem, der sich erkühnt, gegen sie und ihre Satzungen nur den Schein eines Zweifels zu verbreiten. Auch sie lehren noch den Ausspruch der Pharisäer: „Wärme dich an dem Feuer der Weisen, sei aber vorsichtig, daß ihre Kohlengluth dich nicht verbrenne; ihr Biß trifft verwundend, wie des Fuchses, ihr Stachel ist wie der Scorpionsstich und ihres Zornes Zischen gleicht dem der Schlange und alle ihre Worte gleichen Feuerkohlen, "y So auf ihren aberwitzigen Satzungen beharrend, droheten sie mir mit dem Banne, wenn ich von ihren Vorschriften abweichen würde. Doch mein Gefühl für Wahrheit war zu mächtig, um mich einschüchtern zu lassen. Ich hielt es überhaupt für unwürdig und unmännlich, daß ich, nachdem ich ein Vaterland, Ehrenstellen, einen Adel und alle Vortheile der bürgerlichenGesellschaft um der Geistesfreiheit willen aufgegeben hatte, mich jetzt von Leuten knechten lassen sollte, die gar keine Gewalt über mich hatten. Ich blieb daher meinen Grundsätzen getreu, bekannte die Wahrheit vor Jeglichem und lebte nach meiner Ueberzeugung.. Die Folgen blieben nicht aus — der Bann wurde über mich verhängt. Nun begannen meine Leiden, alle wendeten sich gegen mich: selbst meine Brüder gingen auf der Straße, mir ausweichend, ohne Grüße vor mir vorüber. Entfernt von Allem, was dem Menschen theuer und werth ist, von allem Umgang ausgeschlossen und tief gekränkt über die mir widerfahrende Schmach, griff ich, wie dies bei Vielen der Fall ist, die in einem solchen Gemüthszustande leben, zu dem allerunpassendsten Mittel, um meine Feinde zu bekämpfen, oder zu beruhigen. Ich entschloß mich, ein Buch zu verfassen, in dem ich meine Ansichten vertheidigen wollte. Ich-wollte aus den Schriften Mosis selbst die Thorheit und Verkehrtheitrer rabbinischen Satzungen beweisen. Ich begann mit Fleiß die *)-Sprüche der Väter, Cap. 2, § -15.

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