Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 3-4 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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63 Schriften des Akten Testaments zu durchforschen und kam zuletzt zu der Ansicht Und Ueberzeugung derer , die in den Schriften des Alten Testaments bloß zeitliche Strafen und Belohnungen finden, keine Spur über von einer jenseitigen Fortdauer der Seele, von welcher das Gesetz gänzlich schweigt. Diese meine gewonnene Ueberzeugung erregte unter den Juden eine große Schadenfreude, denn sie setzten voraus, daß eine solche ketzerische Ansicht auch von Seiten der christlichen Obrigkeit hart bestraft werden würde, und ihr über mich verhängter Bann auch der Christen Zustimmung jetzt erhalten werde. Die Wuth der Juden wuchs immer mehr und mehr; Kinder versammelten sich in großer Anzahl auf Befehl ihrer Eltern auf den Straßen und Plätzen, fluchten mir mit lauter Stimme, schmäheten und beschimpften mich, nannten'mich einen Ketzer und Abtrünnigen. Auch vor meinem Hause rotteten sie sich einige Male zusammen, warfen Steine in die Fenster und boten Alles auf, mich zu beunruhigen. (Schluß folgt.) Ein Traetat. Was diese Ueberschrift meint, das wird der geneigte Leser aus nachfolgendem Briefe sehen, den der Herausgeber dieser Blätter Anfang Januar erhielt. Er lautet: S., den 4. Januar 1870. Geehrter Herr Pfarrer! Wenn Sie sich noch erinnern können, daß Sie vor einigen zwanzig Jahren, gerade als die Juden ihr Osterfest feierten, in — in der dortigen evangelischen Kirche predigten, und daß manche Juden die ihnen bei der Kirchthür verabreichten Tractate schon vor der Kirche in Stücke zerrissen, so führe ich Sie zurück in eine Zeit, in welcher mir durch Ihre Bemühungen die ersten Gnadenstrahlen des Evangeliums zufielen. Als jüdischerKnabe wohnte ich dem Gottesdienste in derKirche mit mehreren Juden verschiedenen Alters bei; aber in meinem damaligen Knabenalter verstand ich nichts von Ihrer Predigt. Jch war auch mit den jüngeren jüdischen Leuten in Ihrem Hotel auf der Vorstadt zugegen, hörte die Disputationen, welche Sie mit ihnen hatten, mit an und verstand auch davon nichts; aber beim Fortgehen waren Sie so freundlich, auch mir