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Dibre Emeth · 1870-01-01 · 3-4 (1870) · page 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
3-4 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
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61 Stütze, mein Verstand eine Ueberzeugung, beides fand ich nicht in der Lehre der katholischen Kirche. Da aber mein unglücklicher Zustand das Bedürfniß einer positiven Religion mit jedem Tage heftiger fühlte, beschloß ich die von meinen Eltern verlassene jüdische genauer zu erforschen, zu prüfen und kennen zu lernen. Ich begann mit dem Studium des Alten Testaments und ich fand, daß die Lehren desselben weit natürlicher für den Verstand sind als die des neuen Testaments. Auch der Umstand, daß die Juden wie Christen die Wahrheit des alten Testaments anerkennen, während das Neue nur von den Letzteren anerkannt wird, trug viel dazu bei, mich für die Lehre des Judenthums zu bestimmen. Moses erschien mir als ein treuer Knecht Gottes, der immer treu befunden wurde. Alle diese erwähnten Umstände reiften in mir den Entschluß, meine Pfründe aufzugeben. Alle meine Güter verlassend, nahm ich meine Mutter und meine Brüder, denen ich meine Grundsätze mittheilte, zu mir und suchte nicht ohne die größte Lebensgefahr mit den Meinigen nach Amsterdam zu fliehen. Denn eine königliche Verordnung verbietet streng allen von Juden abstammenden, Portugal zu verlassen. Ich kam mit den Meinen glücklich in Amsterdam an. Hier lebten die Juden, seit der Abwerfung der spanischen Herrschaft in ungetrübter Ruhe und genossen noch obendrein manche Vorrechte. Unsere uns bereitete Aufnahme war liebevoll. Ich und meine Brüder suchten sobald als möglich uns beschneiden zu lassen, um den Vorschriften des Gesetzes zu genügen. Leider mußte ich aber bald die traurige Entdeckung machen, daß die Juden gar sorglos sind in der Erfüllung dieses mosaischen Gesetzes. Noch mehr befremdete mich die Wahrnehmung, daß die jüdischen Gelehrten unzählige Gesetze und Vorschriften erfunden, von denen kein Wort in Moses und den Propheten enthalten ist und dennoch fordern sie mit der äußersten Strenge die Beobachtung und pünktliche Vollziehung ihrer Satzungen, als ob sie wirklich göttlichen Ursprungs wären. Doch dieser Entdeckung folgte eine noch viel schlimmere. Ich fand auch, daß viele Vorschriften und Lehren der Rabbiner sehr oft im grellsten Widerspruch mit den Schriften des alten Testaments sind. Was sollte ich unter solchen Umständen und Verhältnissen thun? Ich war zu empört über diese Entdeckungen. Sie so hinzunehmen und im Busen zu verschließen, war mir rein unmög-

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