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Dibre Emeth · 1870-01-01 · 3-4 (1870) · page 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
3-4 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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60 Eltern, obgleich durch Zwang zum Christenthum getreten, waren dennoch gläubig geworden und ihr Christenthum war ihnen eine solche Herzensangelegenheit, daß sie selbst ihren Sohn mit aller Mühe und Treue in demselben nach Kräften zu erziehen suchten. Sie sparten weder Kosten noch Mühe, ihm gute, fromme und geschickte Lehrer zu diesem Zwecke anzuschaffen. Gabriel — denn dies war sein eigeittlicher Taufname — wurde auch in andern Wiffenschaften sorgfältig unterrichtet. In Folge dessen studirte er bei reiferen Jahren die Rechtswissenschaft. Ueber seinen Gemüthszustand berichtet er selbst; „ich war weichherzig und gefühlvoll, dabei ehrgeizig und jähzornig. Stolz war ich aber nur gegen Stolze; Leidenden und Unterdrückten stellte ich mich ebenbürtig und nahm immer ihre Partei. Die Ceremonien, Satzungen und Gebräuche der römischen Kirche strebte ich pünktlich zu befolgen; ich fürchtete mich von meiner Kindheit an vor der Verdammniß. Die heilige Schrift, geistliche und Beichtbücher las ich viel, doch brachten sie mir nicht daS erwünschte Heil, im Gegentheil, sie vermehrten meine Unruhe und gaben neuen Stoff für meinen Zweifel. Mit Angst und beklommenem Herzen sah ich das unendliche Labyrinth, in dem ich mich ohne einen Ausweg ausfindig zu machen, befand. Die genaue Erfüllung aller kirchlichen Satzungen und Vorschriften fühlte ich, so sehr ich danach strebte, rein unmöglich; aber eben so die Beichte wie sie die Kirche vorschreibt. Da mir beide unmöglich waren, so blieb mir nichts denn Verzweiflung. In dieser bedauernswerthen Stimmung meines Herzens begann ich alles zu bezweifeln, selbst die Unsterblichkeit der Seele, sowie überhaupt alles, was von einem ewigen Leben in der Schrift erwähnt ist. Doch wagte ich nicht, die Kirche zu verlassen, die mich in der ersten Morgenröthe meiner Kindheit ausgenommen hatte durch das Sacrament der heil. Taufe. Aber dennoch dauerten meine Zweifel an der Wahrheit der Kirche immer fort. Während dessen erhielt ich eine geistliche Pfründe, nämlich die Schatzmeisterstelle an der Stiftskirche, als ich kaum das 25. Lebensjahr erreicht hatte. Aber das Amt, das ich zu verwalten hatte, konnte mein seit einigen Jahren durch Zweifel vielfach bewegtes Herz nicht beruhigen. Wohl lebte ich äußerlich als Christ, allein ich fühlte mich in dieser bloßen Aeußerlichkeit nicht beruhigt in meinem Gewissen, mein Herz verlangte eine

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