Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 3-4 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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54 Macht eine Reform anstrebt, um sich der Lehrweise der Rabbinen zu entziehen. Es ist ihm eben klar geworden, daß die meisten Aufstellungen derselben im Punkte des ewigen Heils bei näherer Prüfung nicht stichhaltig sind, vielmehr wie ein morsches Gebäude zusammenbrechen. Rur die Art und Weise der gegenwärtigen Reformanftrebungen können wir nicht billigen, da sie noch weiter als der alte RabbinismuS vom wahren Ziele abführen; denn man läßt an die Stelle der Jrrthümer geradezu die völlige Negation treten. Erfaßt man die rabbinischen Jrrthümer im Prinzips, so findet man in ihnen wenigstens doch noch ein Moment der Wahrheit, das, wenn man es richtig aufgreift, zur vollen und ganzen Wahrheit leicht führen kann. Hinsichtlich des rabbinischen Jrrthums in der Lehre von der Versöhnung wenigstens lassen sich sehr leicht die Momente der Wahrheit Herausstellen. Die Negation dagegen aber, das Verfallen in einen krassen Nihilismus, beschließt keine Wahrheit in sich! Wir endigen unsere Betrachtung mit einem nochmaligen Rückblick auf das Hahnopfer. Dasselbespricht, wie schon erwähnt, aus, daß ein blutiges Versöhnungsopfer unbedingt nothwendig und zugleich das einzige Mittel sei, die Vergebung der Sünden zu erlangen, nach einer andern Seite weist es auch auf die schon durch das Heidenthum hindurchgehende Idee der Stellvertretung hin. Durch die Handauflegung seitens des Opfernden auf den Hahn, was das Zeichen der Uebertragung der Sündenschuld ist, wird er seine Auswechslung und Sühne. Der Hahn aber heißt im Hebräischen 12), welches Wort jedoch auch einen Mann bezeichnet. Einige Rabbinen sagen nun, daß der Hahn gerade deshalb als Sühne gewählt worden sei, DVL» p'2 12)2 12) nilön 12) „weil sein Name einen Menschen bezeichnet und so gleichsam die Auswechslung eines Mann für einen andern Menschen ist." Orach Chajim 605. Mit Jesu Christo ist nun jener 12) (Mann) erschienen. Durch sein freiwilliges Selbstopfer am Stamme des Kreuzes ist er ein ewiger Hoherpriester geworden nach der Weise Melchisedeks und hat eine Sühne vor Gott bewerkstelligt, welche hinreicht die Sünde der ganzen Welt zu tilgen. Wenn sich Israel zu diesem Hohenpriester und Opfer-