Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 3-4 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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83 vor Gott und möchte angesichts seiner Heiligkeit in den Staub versinken. Eine andere Behauptung des Machsor ist: das Verdienst der frommen Ahnen mache Israel gegenwärtig gerecht, da sie im Leben mehr gethan, als zu ihrer Seelen Seligkeit nothwendig war. Diese Behauptung steht wiederum mit der voranstehenden vom eigenen Verdienst im Widerspruch. Wenn der Ahnen Verdienst Israel gerecht niacht, wozu das Abmühen und Quälen aus sich selbst heraus gerecht zu werden? Bin ich mir sittlich selbst genug, so bedarf ich der Sittlichkeit Anderer nicht, bedarf ich aber der Sittlichkeit Anderer, so kann ich auf die meinige nicht pochen! Die Patriarchen aber sind, wie wir gesehen, ebenfalls sündige Creaturen, welche mit Fleisch und Blut zu kämpfen hatten; sie befinden sich selbst vor dem ewigen Richter im Anklagezustande und begehren nach Erlösung aus ihrer Schuldhaft; sie haben gar nicht die Gerechtigkeit, die ihnen fingirt wird und auf die ihre Nachkommen sich stützen. Ferner lehrt der Machsor, der Versöhnungstag als solcher versöhne und mache Israel von seinen Sünden frei. Diese Aufstellung contrastirt mit der Annahme von der Versöhnung durch eigenes und fremdes Verdienst. Tilgt der Versöhnungstag als solcher die Schuld der Sünde, warum ängstigt sich denn der Israelit um seine Versöhnung? Warum ruft er fremdes Verdienst an? Und vor allen Dingen warum beklagt er das Fehlen von Opfern? Warum verlangt er so sehnsüchtig seine Zurückführung in das heilige Land? Warum schuf er sich im Lande der Zerstreuung das Sühnopfer des Hahnes? Ist das nicht alles ganz unnütz und nichtig? Die letzte Behauptung endlich des Machsor, daß der Messias kommen und Israels Erlösung beschleunigen, seine Sünden sühnen und es vor Gott rechtfertigen werde, läuft allen bereits aufgeführten entgegen. Ist aber der Messias schließlich der eine und große Sühner, so kann es weder der Mensch selbst, noch der Versöhnungstag als solcher, noch irgend ein Thieropfer sein! Es kann uns nach dieser Erörterung in gewisser Beziehung nicht Wunder nehmen, wenn das Judenthum in diesen Tagen mit aller