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Dibre Emeth · 1870-01-01 · 3-4 (1870) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
3-4 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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46 Wer für sich und einen andern das Sühnopfer um sein Haupt schwingt, der sagt: Dies ist unser Stellvertreter u. s. w. Sobald als der Seder Keparoth gemacht, soll man die Hände auf das Sühnopfer legen, wie man die Hände auf den Korban gelegt und gleich darauf dasselbe zur Schechitha (zum Schlachten) geben." Das Hahnopfer, das wie gesagt, unter den orthodoxen Juden noch sehr verbreitet ist,*) nur setzt durch das Reformjudenthum, die Aufklärung in Israel, in den Hintergrund gedrängt wird, ist wirklich ein Nothschrei der geängstigten und gequälten Gemüther nach einem wahren Versöhnungsopfer. Es läßt uns zur Genüge die Unzufriedenheit der Juden mit den von den Rabbinen ausgestellten Versöhnungsmitteln erkennen, es zeigt, daß alle Kunstgriffe und Ausflüchte rabbinischer Weisheit nicht im Stande gewesen sind, den Gewissen wahren Trost und Seelenfrieden zu gewähren. Wenn die Juden jemals die Ueberzeugung gewonnen hätten, daß menschliches Verdienst, sei es eigenes oder das der Vorfahren, oder Gebet, Almosengeben, Selbstkasteiung, oder der Versöhnungstag als solcher, oder das Hersagen der Opferthora die Versöhnung des Sünders mit Gott bewirken könnte, so wären sie nie auf einen so verzweifelten Gebrauch wie das Hahnopfer gekommen und hätten demselben auch keinen Eingang unter sich gestattet. Denn daß das Hahnopfer kein wirkliches und wahres Versöhnungsopfer sein kann, liegt auf der Hand: es fehlt ihm einmal die ausdrückliche, göttliche Verordnung, und sodann ist es auch nicht der Träger einer göttlichen Verheißung. Das tief sittlich religiöse Moment der Wahrheit aber, das dem Hahnopfer zu Grunde liegt, und das auch jeder, der unbefangen und vorurtheilsfrei an dasselbe herantritt, auf den ersten Blick erkennt, ist das, daß einmal der Sünder zur Sühnung seiner Sünde eines Stellvertreters vor Gott bedarf; und daß ferner ohne Blutvergießen keine wahre Vergebung der Sünden möglich sei. Was die Idee der Stell- *) Schon die oben citirte Schrift fArtp, die in jüdisch-deutscher Sprache geschrieben, deutet auf eine allgemeine Bekanntschaft deS HahnopferS hin.

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