Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 3-4 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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41 nun der große VersöhnungStag gegenwärtig nicht so gefeiert werden kann, als es die alttestamentliche Vorschrift fordert, so haben doch die Rabbinen behauptet, daß derselbe trotzalledem eine Sühne für Israel sei. Dieser rabbinischen Verkehrung begegnen wir z. B. in dem Werke: klilobot Teschuba C. 1, 2: ")D2& DHIÖDH 21' 1VLP1 '11 D'226: „Der Versöhnungstag selbst versöhnt auch diejenigen, die Buße thun." Im Machsor finden wir dieselbe Anschauung in mehreren Gebeten für den großen Versöhnungstag ausgesprochen. Bd. 2. S. 387: B'inn ■’j'Dmi p „Darum hast du uns in deiner großen Barmherzigkeit diesen Versöhnungstag gegeben, diesen Tag zur Verzeihung und Vergebung der Sünde und Schuld, zur Sühne des Abfalls." Desgl. ebend. S. 410: Dpn p niT^D Dl’ '11 IITTOWn: „Der Tag der Vergebung ist festgesetzt worden, um unsere Buße zu ermöglichen." Wäre der Versöhnungstag als solcher im Stande gewesen für Israel eine wirkliche und wahrhaftige Versöhnung zu sein, warum verordnete denn der Ewige noch ein durch den Hohepriester zu vollziehendes Opfer im Allerheiligsten?" War dieses nicht eine ganz nutzlose Ceremonie? Und wenn die gegenwärtige Feier des Versöhnungstages zur Vergebung der Sünden genügt, warum fordert der Machsor noch Buße, gute Werke, Selbstkasteiung und dergl. mehr? Warum beklagt er das Fehlen der Opfer, der Priester, des Altars und Heiligthums? Ferner, heißt es denn in der göttlichen Verordnung Lev. 16, 30: „dieser Tag wird euch versöhnen (22'->p 1£ü' n?n OTTO? Steht nicht vielmehr da: „An diesem Tage wird über euch versöhnt werden." ('11 DT>2)? Die Präposition 2 ist doch zu berücksichtigen; es ist kein 2 essentiae sondern temporis. Dem Tage an sich wird gar keine besondere Bedeutung zugeschrieben, der ganze Nachdruck ruht vielmehr auf der durch den Priester zu vollziehenden Opferhandlung. Durch diese wird er zum jlki2V N2Ll. „zum Sabath der Sabathe," zum größten Sabath. Aus alledem erhellt aber, daß auch die rabbinische Anschauung über das Wesen und vie Bedeutung des Bersöhnungstages eine grundfalsche ist, sie läßt sich durchaus nicht mit dem A. T. vereinbaren, sondern gehört mit zu den ärgsten Verkehrungen und Verdrehungen des göttlichen Wortes.