Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 1-2 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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27 Schondas Factum seiner Schöpfung legt ihm eine solche Verpflichtung gegen Gott, seinen Schöpfer, aus, daß er durch all sein Thun und Vermögen nicht im Stande ist, die Grenze zu erreichen, geschweige denn über dieselbe hinaus zu gehen. Der Mensch kann gegen seinen Schöpfer thun, was er will, er kann ihn von ganzem Herzen lieben, er kann ihm mit all seinen Kräften dienen, immer bleibt er gegen ihn Schuldner und ist mit einer solchen Schuldenlast beladen, die in die tiefste Hölle hinabstößt. Gott aber ist nun nicht blos unser Schöpfer, er ist auch unser König und Herr und hat uns ein Gesetz gegeben, das wir befolgen sollen. Wo aber ist der Mensch, der nur eins von den göttlichen Geboten vollkommen erfüllt? Selbst unsere besten Handlungen und Bestrebungen erscheinen nicht rein vor dem Throne Gottes, es haftet ihnen immer eine Beimischung von der Sünde der Selbstsucht und Eigenliebe an. Wenn wir aber Sünder sind, wo ist denn unser Verdienst, das unsere Sünden überwiegt und uns vor Gott rechtfertigt? Die Rabbinen haben auch gar bald gefühlt, daß ihre Ausstellung von der Idee des eigenen Verdienstes nicht zureichend sei, den von der Last und Schwere der Sünde niedergebeugten Gemüthern die Zufriedenheit des Herzens und die Ruhe des Gewissens zu gewähren. Dazu koinmen noch die Zeugnisse des A. T-, welche gerade das directe Gegentheil lehren, wie Gen. 8, 21; Ps. 14, 1—3; 19,13; 130, 3; 143, 2; Hiob 15, 15. 16; Prov. 20, 9; Jes. 1, 5. 6; 64, 5 u. a. m. Was aber insonderheit das Gebet anlangt, so kann das kein hinreichendes Mittel sein, die Vergebung der Sünde vor Gott zu ermöglichen. Nach dem mündlichen Gesetze (NO NN1O) erscheint dasselbe nur als eine Zugabe oder Begleitung der Opferhandlung. Niemand aber wird das, was nur ein Accedens ist, zur Substanz machen wollen. Wir führen hier diejenigen Gebete auf, welche der Hohepriester nach dem Zeugnisse der Mischnah vor der Darbringung des Sühnopfers am großen Versöhnungstage sprach. Dieselben stehen auch in allen Ausgaben des Machsor. Bei Lettens stehen sie Bd. 2. S. 376, 78 u. 80: a) '11 Otfn „Ach Herr! ich habe gesündigt, verkehrt gehandelt, ich bin abgefallen von Dir, ich und mein Haus. Ach Herr! vergieb die Sünden und die Verkehrtheit