Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 1-2 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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24 sühnt, jetzt aber in unsrer Schuld empfängt er (Gott) von uns weder ein Brandopfer, noch eine Opfergabe." Da nun Israel weder Opfer, noch Altar, noch Tempel, noch Priester hat, um mit Gott versöhnt zu werden, so hat es überhaupt nichts, was es vor Gott bringen kann. Seine Lage ist eine sehr trostlose und bejammernswerthe. Durch die Sehnsucht nach einer Versöhnung aber wird das Elend seines Zustandes noch gesteigert. Und in der Thar, kann es wohl ein entsetzlicheres und qualvolleres Dasein für einen Menschen geben, als wenn seine kranke Seele aufschreit nach Rettung und Hilfe, und stch doch auch wiederum sagen muß, daß keine Rettung und Hllfe für sie vorhanden ist, daß alle seine Seufzer vielmehr in ein leeres Nichts verhallen? Schon die Alten dachten stch den Zustand innerer Verlassenheit und Nichtbefriedigung als höchst peinvoll und schrecklich. — So betrachtet flößt Israel jedem, der überhaupt Antheil nimmt am Wohl und Wehe dieses Volkes, Mitleid ein. Nach einer anderen Seite freilich erscheint uns die wehmüthige GebetSklage Israels im Machsor aber auch sehr strafbar, insofern sie nämlich eine Anklage gegen Gott involvirt. Denn wenn Israel bekennt, daß es zur Zeit weder Opfer noch Hohenpriester habe, um feine Sünden zu sühnen, so spricht es doch damit aus, daß Gott sich lieblos und grausam gegen sie erwiesen habe, indem er sie ohne Das gelassen hat, wodurch die Versöhnung allein erzielt werden kann. Ist es nun aber wohl denkbar, daß Gott nach seiner Güte und Erbarmung ein Volk wirklich ohne das lassen sollte, was er selbst dereinst in seinem Gesetze als unbedingtes Erfordernd zur Sühne der Sünden hingestellt? Gewiß nicht! Israel führt somit in seinen Gebeten eine Anklage gegen den Ewigen, die ganz ungerechtfertigt und deshalb strafbar ist. Damit aber Israel stch in seinem gegenwärtigen Zustande nicht so ganz unglücklich fühlen soll, ist die Weisheit der Rabbinen bedacht gewesen, Mittel und Wege ausfindig zu machen, einen Ersatz für die alttestam. Sühnungdurch Opferzuschaffen. Freilich ist dieser Ersatz nur ein elender Nothbehelf, bloS dazu dienend, die aufgeregten und erschütterten Gewissen zu beschwichtigen. WaS führen aber nun die Rabbinen als stellvertretend für die alttestam. Sühne auf? Zunächst ist an die Stelle