Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 1-2 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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19 dieser Umstand aber muß uns mißtrauisch gegen den Machsor machen; denn das erste Haupterforderniß eines Gebetbuches ist zweifelsohne dies, daß es den Glaubenöinhalt eines Volks oder einer religiösen Genoffenschaft in einheitlicher, reiner und lauterer Form darbiete, sowie ihn die Offenbarungsquelle selbst, bei den Juden also das A. T., beschließt. Finden sich in einem Gebetbuche extravagante Anschauungen, religiöse Auswüchse und Wirrnisse, die sich mit der Offenbarungsquelle nicht vereinigen lassen, so kann dasselbe wohl von einzelnen Gliedern der Genossenschaft, die gerade so denken und empfinden, gebraucht werden, niemals aber von der ganzen Genossenschaft. Nun aber bedienen sich alle Juden bei ihrem öffentlichen Gottesdienste in den Synagogen, sowie bei allen religiösen Handlungen im Hausedes Machsor, beten alle darin enthaltenen Gebete innerhalb eines Jahres nach einander, ohne zu bedenken, daß in ihnen die verschiedenartigsten Lehranschauungen, unter sich sowohl widersprechend, als auch mit dem A. T. streitend, niedergelegt sind. Daß solches'Beten Gott nicht wohlgefällig sein kann, liegt auf der Hand. So oft wir in der Synagoge gewesen und die Juden haben beten hören, hat es uns immer dünken wollen, als wenn ihr Gebet ein bloßes Lippenwerk sei, nicht aber ein Ausdruck ihrer innersten Persönlichkeit, des erregten und bewegten Gemüthes, der hoffenden oder zagenden Seele. Doch wir wollen in diesem Punkte nicht mit den Juden rechten, es könnte doch sein, daß wir hier oder da dem Einen oder Andern wehe thäten, und das liegt nicht in unsrer Absicht. Dagegen aber wollen wir in den folgenden Zeilen eingehen auf das Wesen, den Charakter und die Beschaffenheit der Gebete des jüdischen Machsor und zeigen, wie falsch und sich wiedersprechend darin die Lehranschauung von der Versöhnung ist. Unseres Wissens ist dieser Dualismus des Machsor bezüglich der Lehre von der Versöhnung von christlicher Hand auch noch nicht genug an's Licht gesetzt und beachtet worden. Vielleicht gelingt es uns durch unsre Erörterung, einigen aus den Kindern Israel selbst, die überhaupt noch wahres religiöses Interesse haben, fleißig die Synagoge besuchen und mit ihren inneren und äußeren Verhältnissen unzufrieden sind, gerade nach dieser Seite hin die Augen zu öffnen. Wir wählen vorzugsweise die Gebetsgruppen, die sich auf den großen Versöhnungstag (Jom-Kippur) und das Neujahrsfest (Uosell- 2*