Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 1-2 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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17 die Juden könnten durch ein heilsames Sichversenken in die göttlichen Tiefen dieses Dogmas die sicherste Ueberzeugung gewinnen, daß die christliche Religion die gottgewollte Weiterentwickelung der jüdischen sei; sie könnten durch ein aufmerksames und eingehendes Prüfen der christlichen Lehranschauung von der Versöhnung den besten Beweis schöpfen, daß das Judenthum dadurch, daß es in das Christenthum gemündet, zu seinem geschichtlichen Ziele und Abschluß gekommen, oder anders ausgedrückt, daß die geschichtlichen Typen, Vorbilder und Weissagungen des Alten Testaments ihre Verwirklichung und thatsächliche Erfüllung im Neuen Testamente gefunden. Aber der aufmerksame Beobachter sieht auf den ersten Blick, daß das Judenthum sich geflissentlich zu der christlichen Lehre von der Versöhnung in Widerstreit stellt. Da es vom göttlichen Stifter des Christenthums nichts wissen will und ihn in keiner Weise anerkennt, so will es natürlich auch von seiner göttlichen Sendung, d. i. von seinem messianischen Berufe nichts wissen. Ja die meisten modernen jüdischen Controversisten gehen in ihrem Lehrstreite gegen das Christenthum so weit, daß sie aus ihrem eigenen Messiasbilde, wie es im A. T. durch die vielen Wort- und Thatweissagungen gezeichnet und von der alten Synagoge recipirt und treu bewahrt worden, die wesentlichste Seite, gewissermaßen die eigentliche Charakteristik desselben, auf der der ganze Nachdruck ruht, entfernen, wir meinen die vermittelnde und stellvertretende Jntercesston zwischen Gott und der sündigen Menschheit durch einen freiwilligen Opfertod. Das ist aber das Kennzeichen des Messias, und darin besteht seine wahre Meffianität, daß er die Sünden der Welt auf sich nimmt und durch die freiwillige Uebernahme von Leiden und zuletzt durch einen blutigen Opfertod sühnt. Daß aber das Judenthum in seinem Lehrstreite nun den stellvertretenden Sühn- und Opfertod des Messias aus seinem Messias bilde'ausstreicht, dadurch wüthet es ohne Wissen und Willen freilich gegen sein eigenes Fleisch und Blut: eS geräth nämlich dadurch nicht nur in Conflikt mit dem A. T., der schriftlichen Offenbarungsquelle seiner Religion, sondern auch mit dem Talmud Und fast dem ganzen rabbinischen Schristthum, der mündlichen Quelle seines Glaubens. Das A. T. erweist im Gesetz und den Propheten genugsam die Lehre von der Versöhnung, und ebenso stellen Talmud und 2