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Dibre Emeth · 1870-01-01 · 1-2 (1870) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
1-2 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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15 die israelitschen Kinder, die uns gebracht werden, gewöhnlich sehr arm und vernachlässigt, und müssen daher auch leiblich gepflegt und erzogen werden. Woher sollen aber die nöthigen Mittel dazu geschafft werden in dieser so schweren Zeit? Da muß wieder unser Herr Gott auffallende Wunder thun. — Ach, wenn nur der Glaube recht lebendig, und die Liebe brünstig in den Christenherzen wäre, was könnte nicht alles im Reiche Gottes und für dasselbe gethan werden! Wir sind zwar keine Enthusiasten zu glauben, daß Ahasverus seine Jrrwanderung bereits beendet habe, und daß die Zeit bereits da ist, wo Israel als Volk sich bekehren wird; doch dürfen wir glauben, daß diese Zeit nicht mehr so fern sei, wie viele sich's denken, zumal da das Wanken und Schwanken des gegenwärtigen Judenthums nach allen Richtungen hin darauf deutlich hinweist, daß der in sich zerrüttete Bau bald zusammenbrechen muß, und das alte Bundesvolk, wenn nicht zum Christenthum, dann gewiß zum krassesten Heidenthnm übergehen wird.. Sollte es nicht Zeit sein, jetzt Hand an's Werk zu legen? — Ist es nicht billig, daß dem Bewußtsein der Richtigkeit des talmudischen Wesens einerseits und dem geist- und herzlosen Materialismus andererseits, die gegenwärtig unter den Juden wie noch nie um sich greifen, die gläubige Christenheit mit der Botschaft des Evangelii entgegenkäme? — Zumal wenn es sich vorläufig nur um die einzelnen Seelen aus Israel handelt, die einen Hunger und Durst nach Gottes Wort spüren und doch nicht die Kraft besitzen, die sie umgebende Finsterniß zu durchbrechen und ans Licht zu kommen. Sollte es nicht unsere heilige Pflicht sein, den Schwachen die Hand zu reichen und zu retten was rettenswerth ist?! — Alle Arbeit an Israel ist und bleibt ein leerer Schall, wenn nicht unser Herz beim Anblick eines jeden einzelnen Israeliten in wahrer Liebe bricht. — O lieben Freunde! wenn ich Ihnen sagen dürfte, aus welchen bittern Erfahrungen ich spreche, wenn Sie wüßten, welche scharfe Augen die blinden Juden für die Fehler der Christen haben, ja, wenn die Wände meines Zimmers reden könnten, ach, — was hätten sie doch zu erzählen von dem grundlosen Elend manches Judenherzens, von den inner» Seelenkämpfen mancher Thomasnatur, und wie viel an jedem

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