Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 1-2 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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versuchte. Ein neues Licht ging mir nun auf, aber je mehr mir dies Licht in mein Herz schien, desto bewußter wurde ich mir meiner eigenen Finsterniß. — Alles was mir in meiner Jugend durch die hebräischen Commentare verdunkelt wurde, ward mir nun klar. Und auf die eine Frage, die Herr F. immer an mich stellte, nachdem ich zugeben mußte, daß ich das Gesetz Gottes nicht erfüllt habe, und in Folge dessen nach 5. Mose 27, 26 dem göttlichen Fluche unterworfen sei und wie ich doch nun selig werden sollte, konnte ich keine genügende Antwort geben. Meine jüdischen Freunde und Verwandten suchten diese Eindrücke in mir zu verwischen und beruhigten mich oft mit den talmudischen Lehren, so daß ich mich noch immer weigerte, auch das neue Testament zu lesen; doch blieben die Worte des Herrn F. wie ein Stachel in meinem Gewissen stecken, so daß, nachdem ich von Herrn F. abging, diese seine Worte mich immer verfolgten. Die äußeren Lebensumstände boten mir jedoch keine Gelegenheit mehr mit wahren Christen in Berührung zu kommen. Ich begab mich nach Jassy, woselbst ich als Lehrer der hebräischen Sprache in der Brittischen Missionsschule 2 Jahre zubrachte. Da erwachte in mir wiederum manches schlummernde Wort des Herrn F., da ich dem Worte Gottes nahe stand. In Odessa wandte ich mich an einen bejahrten evangelischen Geistlichen mit der Bitte, ob er mich nicht in der Lehre der christlichen Religion, von der ich bisher nur Bruchstücke vernommen habe, gütigst unterrichten wolle. Selbiger war aber von Amtsgeschäften sehr in Anspruch genommen, und konnte meine Bitte nicht gewähren. Die gnädige Hand meines Gottes führte mich endlich hierher nach Kischinew, wo ich nun, Gott sei innig Dank, den Grund gefunden, auf dem ich leben und sterben will, im Glauben und Vertrauen auf die Liebe Gottes in Christo Jesu, der von nun an auch mein Herr und Heiland ist und mich sündigen Menschen durch Sein heiliges Blut mit Gott versöhnen und selig machen will. Gott helfe mir dazu!" — So hoffen wir zu Gott von diesem Menschen mit Recht sagen zu dürfen: Siehe ein wahrer Jsraelite, in welchem kein Falsch ist. Er erwarb sich noch immer sein tägliches Brod als Privatlehrer unter den Juden. Seit einigen Tagen aber wurden ihm die meisten Stunden bei den