Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 1-2 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 unter großem Bedauern und Leidwesen mit, daß ihr Haupt, und man möchte sagen, ihr angebeteter Rabbi so rühmlich und anerkennend von dem den Juden so verhaßten Toleh, d. i. dem Gehenkten, gesprochen habe und man annehmen müsse, er werde selbst bald ein Meschumme werden, d. i. sich taufen lassen. Die Feinde und Gegner der Chassidim und wohl auch die Anhänger anderer chaffidischen Rabbi's stellten sich , daß gerade die übermüthigen Chassidim, die Nachfolger des — Rabbi in solchen allgemeinen üblen Ruf mit ihrem Oberhaupte gekommen waren. Denn für einen polnischen Juden und namentlich für einen Chaffid gab es ja keine größere Schande, als in dem Verdachte zu stehen, Jesum für den Messias anzuerkennen. Die Juden wußten daher auch den Missionaren in der Regel keinen ärgeren Schimpf oder Schande anzuthun, als daß sie ihnen auf der Straße nachschrieen: „ Meschemudim “ d. h. Getaufte, eigentlich und wörtlich: Vertilgte. Einige Missionare besuchten bald nach diesem Ereigniß wiederholentlich die Stadt, und bemühten sich besonders auch mit dem Rabbi in Berührung zu kommen, aber alle derartigen Bemühungen waren umsonst. Der arme Mann wurde für geisteskrank erklärt, und so viel Schreiber dieses bekannt ist, hat man nie wieder etwas von ihm gehört. Um seines doch noch so zweideutigen oder zweifelvollen Zeugnisses willen für Jesum Christum wurde er sofort moralisch getödtet und als ein Geisteszerrütteter in strenger Haft gehalten. Das ist die Toleranz des Talmud und des Judenthums! Dieselbe Kundgebung zeigte sich bei der eben besprochenen Bewegung in Polnisch-Litthauen. Wenn auch die orthodoxen Juden und namentlich die Verwandten derer, die an der Bewegung Theil nahmen, die ganze Richtung mißbilligten, so kann man doch nicht sagen, daß die Freigesinnten irgend welche Verfolgung erfahren hätten; sie konnten im Ganzen ihren Weg ungehindert und ungestört gehen, bis zu welchem Grade sie wollten. Aber so bald es sich herausstellte, daß Einer und der Andere sich ernstlich mit dem neuen Testamente und christlichen Schriften beschäftige, da blieben arge und heftige Anfeindungen nicht aus, und auf alle mögliche Weise suchte man einem solchen Individuum zu schaden und es mit Gewalt von der Erforschung der christlichen Heilswahrheiten abzuhalten. Es ließen sich manche Fälle erzählen,