Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 1-2 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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düngen gestalteten sich auch nach Beschaffenheit der Charaktere sehr verschieden. Es zeigten sich mit der Zeit verschiedene Richtungen. Die biblischen Lehren des EhristenthumS von der Sünde, der Versöhnung und Erlösung, der Person und dem Wesen des Meffias u. s. w. waren den Meisten zu ernst und entsprachen zu wenig ihren eigenen Ansichten und Meinungen. Sie blieben daher so ziemlich auf dem einmal erlangten Standpunkt stehen, und begnügten sich mit der Erkenntniß, zu der sie gelangt waren, daß der Talmud oder das mündliche Gesetz nicht göttlichen Ursprungs sein könne und daher auch keine verbindliche Kraft habe. Mit der Zeit schlugen diese wieder verschiedene Wege ein; Manche schloffen sich wieder enger an das gewöhnliche Zudenthum an und äußerten ihre Gesinnungen gegen die Missionare ohnge« fahr dahin: daß Ihr gegen den Talmud kämpft, uns Hilfsmittel zu diesem Kampfe in Euren Schriften an die Hand gebt, dafür sind wir Euch zu vielem Dank verpflichtet, aber von den übrigen Lehren und Grundsätzen wollen wir Nichts wissen. Manche aber ergaben sich einem freien Leben, kümmerten sich wohl um gar keine Religion mehr. In einer Stadt gingen Manche so weit, daß sie, um ihren jüdischen Glaubensgenossen zu zeigen, zu welcher Aufklärung und Freiheit sie gelangt wären, an einem Versöhnungstage, der bekanntlich der strengste Fasttag der Juden ist, in einem christlichen Hause eine Mittagsmahlzeit bestellten, bei welcher das Hauptgericht ein Schweinebraten war. Mag immerhin der jüdische Versöhnungstag heute seine ganze ehemalige Bedeutung und Wichtigkeit verloren haben, so daß er gar nicht mehr den Namen eines Versöhnungstages verdient, so ist und bleibt ein solches Verhalten doch höchst frivol und leichtsinnig. Dagegen sind aber auch eine ziemliche Anzahl jener angeregten Personen auf verschiedenen Wegen in die christliche Kirche gekommen; Manche traten da, wo sie gerade waren, zur katholischen Kirche über, Andere wandten sich nach Preußen, um etwaigen Verfolgungen von ihren Verwandten zu entgehen, noch Andere gingen aus demselben Grunde nach England und wieder Andere nahmen ihren Weg nach Warschau zu den dortigen Missionaren und wurden von denselben für die heilige Taufe vorbereitet, die sie denn auch empfingen. Einige von denen, die zur evangelischen Kirche übertraten, sind später selbst in den