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Dibre Emeth · 1870-01-01 · 1-2 (1870) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
26 (1870)
Issue
1-2 (1870)
Date
1870-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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6 Sie benutzten denn auch diese Gelegenheiten fleißig und waren früh und spät, oft auch weit in die Nacht hinein bei den Missionaren. In Gegenwart anderer noch streng orthodoxer, talmudischer Juden verhielten sich die angeregten in der Regel still und ließen jene mit den Missionaren disputiren und freuten sich, wenn die talmudischen Meinungen und Behauptungen gründlich widerlegt und zunichte gemacht wurden durch das Wort der Schrift. In solchen Fällen wendeten sich dann die talmudischen Juden an ihre freigesinnten Brüder und forderten sie auf ihnen bcizuftehen, was mitunter ganz curiose Austritte zur Folge hatte. So erinnert sich Schreiber dieses, daß einmal einer ziemlichen Anzahl Juden von dem Missionar aus der Bibel klar und deutlich dargethan wurde, der Messias müsse längst gekommen sein und kein anderer könne dieser Messias sein, als der verachtete und gekreuzigte Jesus von Nazareth. Als auch alle Einwendungen der Juden widerlegt und beseitigt wurden, so daß Keiner wußte, was er etwa noch Vorbringen könnte, um die biblische Wahrheit umzustoßen, baten sie schließlich einen jener forschenden Juden, der bisher nur schweigend und aufmerksam zuhörend an dem Gespräche Theil genommen hatte, er möge doch seine Meinung sagen, ob er auch glaube, der Messiaö sei schon gekommen? Ach, entgegnete dieser, wie kann man so etwas glauben, da doch der Talmud sagt: Wenn der Messias kommt, wird jede Jüdin täglich ein Kind gebären. In der That enthält der Talmud diese unsinnige Behauptung. Eine Zeit lang hatte Alles ein gutes Ansehen; die Anhänger der Bewegung freuten sich des Lichtes, das ihnen aufgegangen war, Manche dachten vielleicht, daß sie große Dinge auörichten würden, und mehr oder weniger wiegten sich wohl die Meisten in sehr sanguinischen Hoffnungen. Jndeß trat doch auch sehr bald die Frage an sie heran: Was wollen wir denn eigentlich? was ist unser Zweck? welche Stellung wollen wir im und zum Judenthume einnehmen? oder können wir überhaupt noch bei unseren Gesinnungen und Ansichten im Judenthum bleiben? Je nachdem die Stellung im Aeußern bei dem Einen oder Andern eine freiere oder abhängigere war, je nachdem waren dergleichen Fragen auch bei dem Einen ernster und dringlicher, erforderten eine schnellere Entscheidung als bei dem Andern, und diese Entschei-

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