Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 26 (1870)
- Issue
- 1-2 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 willkommen, die im jüdischen Jargon verfaßten dagegen wiesen sie eher zurück, da sie dies sogenannte Jüdisch-Deutsch so viel als möglich mieden und sich aus verschiedenen Gründen der rein deutschen Sprache sowohl im Umgänge als auch im Lesen bedienten. In dem Bisherigen ist, freilich auf eine sehr mangelhafte Weise, der Ursprung der Bewegung angedeutet und die Art und Weise, wie dieselbe sich erhielt und weiter entwickelte; im Folgenden wird Einiges über das Wesen derselben mitgetheilt werden. Wenn bereits oben gesagt wurde, man könne die Bewegung wohl eine religiöse nennen, so sollte damit angedeutet werden, daß auch eine andere Beimischung nicht fehlte; jedenfalls aber war das religiöse Moment das hauptsächliche. Es gab sich aber bei mehrerern Gliedern, bei einigen mehr, bei andern weniger, ein Hang und Streben nach allgemeiner oder, wie cs die Juden wohl oft selbst zu nennen Pflegen, philosophischer Bildung und Aufklärung als zum Grunde liegend kund. Im Ganzen war es eine Bewegung ähnlicher Art, wie sie in ungleich größerem Maßstabe unter den Juden in Deutschland um dieselbe Zeit im Gange war und die zu der sogenannten Reform führte. Die angeregten Juden in Litthauen konnten und durften sich nur unter den politischen und polizeilichen Verhältnissen in Polen nicht so frei bewegen, wie ihre Glaubensgenossen in Preußen, und außerdem fehlte es jenen an geeigneten Personen, die durch wissenschaftliche Bildung begabt und ausgezeichnet, sich hätten an die Spitze stellen können, um die ganze Bewegung zu leiten, zu beherrschen und weiter zu führen. Es galt das Ansehen und die Macht des Talmuds zu brechen, das Joch desselben von den Schultern abzuwerfen, weil man die Nichtigkeit und Verwerflichkeit des talmudischen Systems erkannt hatte. Die in dieser Hinsicht gleichgesinnten Personen an einem und demselben Orte fanden sich immer bald zusammen, diese schlossen sich dann enger an einander an, suchten sich gegenseitig zu stärken und zu fördern, auch Andere in ihren Kreis zu ziehen und so ihre Gesinnungen zu verbreiten. Bald traten sie auch mit Gleichgesinnten in benachbarten Städten und Orten in Verbindung; Mehrere kamen bald hie bald da zusammen, theilten sich ihre Gedanken, Ansichten u. s. w. mit, namentlich auch, was ein Jeder von ihnen im Talmud Gottloses, Abgeschmacktes, Unsittliches