Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 11-12 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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187 men zu werden, daß dem Pastor die Thränen in die Augen traten. Am Tage vor ihrer Taufe kamen beide zu dem Pastor. Da erzählte der Rabbi: „Ich habe in den letzten Tagen über die wunderbaren Wege Gottes, die er mich führte, nachgedacht; da fiel mir eine Begebenheil aus meiner Kindheit ein. Ich ging einst mit meinem Vater, der auch Rabbiner war, an einem Sonntagmorgen durch ein deutsches Dorf, als eben die Glocken läuteten, und die Andacht der Kirchgänger machte einen tiefen Eindruck auf mich. Zch rief meinem Vater zu: Steh doch ein wenig stille und sieh, wie das so schön ist! Hierauf sagte mein Vater mit strengem Ernste: Darauf mußt Du gar nicht merken, das sind verfluchte Leute, weil sie eine falsche Religion haben. Ein alter ehrwürdiger Mann mit grauem Haar, der eben an seinem Stabe nach dem Hause Gottes wanderte, hörte den ganzen Vorgang mit an und wandte sich zu mir, legte die Hand auf mein Haupt und sagte wie mit prophetischem Geiste erfüllt: Dich hat der Herr noch zu etwas Besonderem ausersehen! Von da an ließ mein Vater lange Zeit hindurch jede Woche ein Mal mehrere Rabbiner und fromme Juden in unser Haus kommen. Da beteten sie denn in meiner Gegenwart zu dem Gott Abraham's, Jsaak's und Jakob's, er wolle mich doch behüten, daß ich den Glauben der Väter nicht verlassen möge. Dadurch setzte sich in mir ein Widerwille gegen alle fremden Religionen fest, der mich auch dann noch nicht verlassen wollte, als ich schon längst hatte einsehen gelernt, daß es mit dem Judenthume Nichts mehr sei." In den Tagen, als der Rabbi in der christlichen Religion unterrichtet wurde, kam ein andererJude, ein Goldschmied, zu dem Divisionsprediger und begehrte zum Christenthum überzutreten. Der Pastor sagte ihm, daß er erst unterrichtet werden müsse, ehe er die heil ige Taufe empfangen könne. Weil der Goldschmied aber nicht so lange warten wollte, ging er zu einem russischen Geistlichen und wurde von demselben sofort durch die Taufe in die griechische Kirche ausgenommen. An demselben Tage aber, als er getauft wurde, kamen fast alle Juden der Stadt zusammen und wollten den gerauften Golvschmied auf dem Wege, wenn er aus der Kirche ginge, umbringen. Die ganze Stadt war in Bewegung. Damit die erbitterten Juden ihm nichts thun könnten, mußten Soldaten ihn nach Hause begleiten. Daß es bei dem