Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1869-01-01 · 11-12 (1869) · page 26

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
25 (1869)
Issue
11-12 (1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2554541-2554773-2554780--05236-2561188
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

186 Juden sagen!" Der Pastor beruhigte den Mann, indem er ihm versicherte, daß er seinen Heiland niemals verleugnen werde. Endlich aber, weil es mit dem Uebertritt des Pastors nicht voran ging, wie die Juden erwartet hatten, fingen sie an zu glauben, daß auch das Gegentheil stattfinden könne. Es kamen ihrer mehrere eines TageS zu Gurland und ftagten ihn, ob er den Pastor zum Juden machen wolle, fügten aber gleich hinzu, es scheine ihnen das ein nutzloses Bemühen zu sein, das er lieber aufgeben möge. Da sagte der Rabbi ihnen frei heraus: „Das ist nicht meine Absicht, sondern ich will Christ werden." Sofort fingen sie Alle an, Christum und seine Religion zu verlästern, und wollten ihn aus der Bibel überzeugen, daß Jesus nicht der Messias, sondern ein Betrüger gewesen sei. Der Rabbi aber schlug alle die klaren und deutlichen Stellen der heiligen Schrift auf, die von Jesu weissagen. Da sprang Einer mit wildem Geschrei auf und rief: „Du hast eine falsche Bibel. Was Du uns vorliesest, steht gar nicht in unserer Bibel." Und die Andern riesen ebenfalls: „Er hat eine verfälschte Bibel." Da sagte der Rabbi: „Meine Brüder! so vergleicht doch einmal meine Bibel mit der eurigen und überzeugt euch, daß sie nicht falsch ist." Nach kurzer Prüfung mußten die Juden einsehen, daß das Verkehrte nicht in der Bibel des Rabbiners, sondern in ihrem verfinsterten Herzen und Verstände zu suchen sei, denn so hatten sie die Schrift nie verstanden, wie er sie ihnen jetzt auslegte. Sie selbst verschlossen sich gegen die Wahrheit, und weil sie den Rabbi nicht von derselben abbringen konnten, gingen sie mit Groll im Herzen von ihm hinaus. Er war endlich so weit in den christlichen Heilswahrheiten unterrichtet worden, daß er getauft werden konnte. Der Pastor ließ ihm die Wahl, an welchem Tage er deö heiligen Sakramentes theilhaftig werden wolle. Da wählte er, weil er wünschte, daß seine Frau auch zugleich mit ihm getauft werden möchte, das Osterfest, weil die Frau noch so lange den Taufunterricht genießen sollte. Der Pastor besuchte von jetzt an diese Familie öfters. Eines Nachmittags, als er das liebe Ehepaar wieder besuchen wollte, fand er beide in ihrem Zimmer auf den Knieen liegend und der Rabbi sprach ein Gebet, in welchem er dem Messias mit solcher Innigkeit dafür dankte, daß er ihn zur rechten Erkenntniß geführt habe, und daß er sie jetzt würdigen wolle, in seinen Gnadenbund aufgenom-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.