Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 11-12 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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185 jedesmal konnte jener nicht nur angeben, welches Buch, welches Kapitel und welcher Vers es sei, sondern er konnte auch sofort die ganze Seite auswendig hersagen. Als der Pastor seine Verwunderung darüber aussprach, sagte jener: „Ich habe das nicht gethan, um zu zeigen, was ich gelernt habe; ich wollte nur damit sagen, daß ich das Wort Gottes fleißig studirt habe. Trotzdem kommt es mir jetzt vor, als ob ich das, was ich jetzt lese, noch nie gelesen hätte. Ich weiß nicht, warum ich es früher nicht verstanden habe." Von der Zeit an, als er eingesehen hatte, das Christus der Messias sei, war auch der Entschluß in ihm fest geworden, sich taufen zu lassen. Nun wurde es auf einmal anders. Der, welcher bisher unter richtet hatte, wurde jetzt unterrichtet. Der Rabbiner theilte nun auch seiner Frau mit, was in seinem Innern vorging, und forderte sie auf, seinem Beispiele zu folgen. Die Frau wollte aber davon nichts hören, sondern machte ihrem Manne Vorwürfe, daß er die Religion seiner Väter verlassen wollte. Der Rabbiner hatte aber von dem Pastor gelernt, wie man es machen muß, wenn man eine Seele für den Herrn Jesum gewinnen will. Er sing auch an, für seine Frau zu beten, wie einst der Pastor für ihn gebetet hatte. Da er aber schon aus den Worten Jesu wußte, daß, wo zwei oder drei eins werden zu bitten, werde der Vater im Himmel hören, so forderte er auch den Pastor auf, mit ihm für seine Frau zu beten. Es dauerte nicht lange, so wurde auch sie gläubig an das Evangelium. Da fing denn der Rabbiner an, seine Frau in der christlichen Religion zu unterrichten, während auch er selbst noch von dem Pastor unterrichtet ward. Endlich mußte es aber den Leuten auffallen, daß der Jude mit dem Pastor so viel Umgang hatte. Da kam eines Tages ein evangelischer Deutscher in einen jüdischen Laden, Etwas zu kaufen. Während dem ging der Rabbi vorüber. Da sagte der jüdische Kaufmann zu dem Deutschen: „Euer Pastor will ja Jude werden. Unser Rabbiner geht tagtäglich zu ihm und unterrichtet ihn. Es ist ganz schön, daß er zu uns Übertritt, da kann er auch Rabbiner werden. Einem so tüchtigen Mann stehen gute Stellen offen." Der Deutsche, ein Gemeindeglied von Pastor Faltin, kam noch an demselben Tage zu seinem Seelsorger und sagte: „Das ist doch wohl nicht wahr, was die