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Dibre Emeth · 1869-01-01 · 11-12 (1869) · page 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
25 (1869)
Issue
11-12 (1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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183 Israel übrig blieb. Er sandte Anfangs die sich bei ihm anmeldenden Juden nach Jassy, woselbst ein Zweig der britischen Missionsgesellschaft wirkte. Als aber die Fälle sich wiederholten, ging es dem Manne durch's Herz, ob er nicht diese Gelegenheit, die ihm Gott darbiete, auch selbst benutzen könnte und müßte, da er ja als evangelisch-lutherischer Pastor nach dem Landesgesetz dazu verpflichtet sei. Er fing allmählich an Hand an's Werk zu legen, hielt Misflonsstunden, in denen er die Frage sich selbst und seiner Gemeinde ernstlich vorhielt: sind wir treu, treu auch im Nachgehen der Juden, mit denen wir täglich in Berührung kommen, bis wir sie finden — treu in der Fürbitte, im Anhören ihrer Fragen und Klagen, in der Geduld und Sanftmuth, in der Liebe Christi, um ihnen nahe zu kommen und sie dem Herrn zuzuführen? — Solche Worte, die aus dem Herzen kamen, fanden auch in manchem Herzen Anklang, und man fing an die Juden mit anderen Augen zu betrachten. Eine kleine Schaar unterstützte treulich ihren Pastor, und demselben ward es beschieden, daß durch seine Predigt und Seelsorge manche Seele aus Israel zum Herrn geführt und in den Schooß der evangelischen Kirche durch die heilige Taufe ausgenommen werden konnte. Je mehr aber daö Werk in Gang kam, desto mehr häuften sich auch die Schwierigkeiten. In jenem Lande, wo die Juden im Ganzen und Großen der Cultur und Bildung der Christenwelt fernstehen und derselben auch abhold sind, ist der Uebertritt eines Juden zum Christenthum seinen früheren Glaubensgenossen um so schmerzlicher. Es wurde ihnen auch nicht schwer ihre Brüder, die sich der evangelischen Kirche nahten, derselben oft zu entreißen, da sie in der Stadt eine so große Macht besitzen und besonders alle Geschäfte in den Händen haben, wodurch sie ihre Glaubensgenossen, welche nach dem Heil in Christo fragten, bald drohend, bald lockend zurückhielten, während der evangelische Pastor mit seiner kleinen Gemeinde den von den Juden Verfolgten Schutz und Mittel zu ihrem weiteren Fortkommen nicht immer gewähren konnte. Unter diesen Umständen ist es um so mehr zu bewundern, daß die Arbeit gedieh und sich langsam segensreich entwickelte. Eines Tages aber kam ein Herr, der etwa 30 Jahr alt sein mochte, zu dem Divisionsprediger und sagte: „Ich habe vor kurzer Zeit meine

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