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Dibre Emeth · 1869-01-01 · 11-12 (1869) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
25 (1869)
Issue
11-12 (1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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183 Studien vollendet und mein Examen gemacht und bin nun Rabbiner unter meinem Volke. Als junger Rabbiner habe ich nur wenig Arbeit, aber auch ebenso wenig zu leben. Da es nun meineZeit erlaubt mich außer meinem Amte auf andere Weise zu beschäftigen, so habe ich mir vorgenommen, durch Privatstunden noch etwas zu erwerben. Da bin ich denn so frei, Sie zu bitten, ob Sie mir nicht behilflich sein wollten, Einige aufzufinden, die Willens wären im Zeichnen und Schönschreiben Unterricht zu nehmen. Ich habe sogleich einige Proben mitgebracht, damit Sie sich überzeugen können, daß ich darin Unterricht ertheilen kann." Dabei legte er einige Hefte auf den Tisch. Die Handschrift und die Zeichnungen waren wirklich so schön, daß es keiner weiteren Empfehlung bedurfte. Der Pastor, dem es so recht eine Freude ist, Anderen zu dienen, fragte an, wo er mit Leuten znsammentraf, von denen er erwarten konnte, daß sie vielleicht geneigt wären, Unterricht zu nehmen. Nach einigen Tagen, als der Rabbiner wieder zu ihm kam, sagte er demselben, daß seine Bemühungen wenig Erfolg gehabt hätten, er sei aber auf einen Gedanken gekommen, wie ihm vielleicht doch zu helfen sei. „Ich habe," fuhr der Pastor fort, „schon oft bei mir selbst bedauert, daß ich der hebräischen Sprache nicht besser mächtig bin. Ich möchte gern noch so viel daran arbeiten, daß ich das Alte Testament geläufig lesen könnte. Wollen Sie mir hebräischen Unterricht geben, da Sie ja doch nur wenige Schreib- und Zeichnenstunden zu geben haben?" Der Rabbiner war sofort bereit. Auf den Kern und Stern der ganzen heiligen Schrift aber durfte der Pastor dem ausdrücklichen Wunsche des Rabbiners gemäß im Gespräch nicht eingehen. Der Pastor sah ein, daß es auch nicht gut wäre, dem Wunsche des Rabbiners entgegen zu handeln, aber er betete um so mehr, der Herr wolle doch durch seinen Geist an seinem Herzen arbeiten und es erleuchten, Jesum aus dem Worte Gottes erkennen und lieben zu lernen. Und weil er wußte, daß das Wort schärfer ist als ein zweischneidig Schwert, so war er in guter Zuversicht, daß es sich auch noch an diesem Kinde Israels krästiglich beweisen werde. Sein Glaube wurde auf eine lange Probe gestellt. Wochen vergingen, ohne daß auch nur im Geringsten eine Veränderung wahrzunehmen gewesen wäre.

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