Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 11-12 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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176 dem Volke Israel zu schmecken und zu fühlen geben, daß er nur eine Durchgangsstufe auf dem Wege der göttlichen Gnade sei. Israel sollte diesen Bund als eine Verheißung auf einen besseren neuen Bund betrachten und erkennen lernen. Und damit es nicht etwa bei seiner engen Nationalität oder bei seinem eigenen sündlichen Wesen stehen bliebe, sollte ihm das Gesetz zeigen, daß es auch unter seiner mosaischen Verfassung doch nicht zu einer rechten Gemeinschaft mit Gott gelangen könnte. Es sollte durch sein eigenes Leben selbst erfahren, daß in seiner Mitte, in seinem Volkswesen nur ein vorläufiges Verhältniß zwischen Gott und Menschen zur Erscheinung gekommen sei; es sollte mit Händen es. greifen lernen, daß der Wille Gottes, welcher von Israel dasselbe fordern mußte, waS er von Anfang der Schöpfung unter allen Menschen gefordert hatte, nämlich, daß sie heilig und vollkommen wie Gott selbst sein sollten, in dieser Volksgemeinde eben so wenig zur Erfüllung komme als unter allen anderen Gemeinschaften. Das sollte gerade Israel zuerst offenbar werden, wie keine Form, keine Ordnung, kein Gesetz das Leben wahrhaftig innerlich umwandeln kann, weil in dem Allen doch nur mit sündlichem Material gebaut wird; das sollte es zum Besten der ganzen übrigen Menschheit als eine durch Jahrhunderte bewährte Erkenntniß besitzen, daß Gottes gnädiger Wille erst dann sein Ziel erreichen kann, wenn er in dieses natürliche Leben ein völlig und wahrhaftig neues hineinpflanzt. Darum aber sollte Israel sich reizen lassen dem nachzutrachten, daß es noch an einem anderen und besseren Bunde theilhaben möchte, welcher ihm den Sieg über die Sünde und eben deshalb auch über den Tod darböte. Gerade aus diesem Grunde war das sinaitische Gesetz zugleich wie ein gewaltiger Spiegel überall vor die Augen des israelitischen Volkes gehängt, in welchem es Ich selbst, die Beschaffenheit seines Lebens, die Art seines Herzens und die Unmöglichkeit mit den angeborenen natürlichen Kräften das Wohlgefallen Gottes erlangen zu können, erkennen lernen sollte. Das ganze Gesetz läßt sich in die beiden Gebote zusammenfassen: Gott zu lieben von ganzem Herzen und den Nächsten als sich selbst. Für die Israeliten wurde dieses allgemeine Gesetz in den bestimmten Geboten und Verboten einer nationalen Verfassung aufgestellt. Das