Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 11-12 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554773-2554780--05224-2561176- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
174 Vers 7—29 Israel seine Halsstarrigkeit weitläufig noch einmal vorgehalten und es erinnert, daß allein die Verheißung, welche die Gnade Gottes seinen Vätern gegeben hat, der Grund sei, welcher es in den Besitz des Landes Canaan gelangen läßt. Moses und mit ihm alle später von Gott selbst erweckten Zeugen seiner Wahrheit an das Volk, die ganze Reihe der Propheten, müssen es Israel in den mannigfaltigsten Wendungen immer von Neuem sagen, wie auf seiner Seite alles nur irgend Mögliche gelegen habe, das es als ganz besonders zu dem ihm verliehenen Berufe ungeeignet habe erscheinen lassen. Gott hat es vorausgesehn, daß die Selbftgerechtigkeit der eigentlich schwerste Schaden Israels sein würde. Vor keiner Sünde hat Gott durch daS ganze Alte Testament Israel mehr gewarnt, als vor dieser Cardinalsünde, denn die Selbftgerechtigkeit macht die Gnade Gottes unmöglich: die Gnade aber, die völlig unverdiente Barmherzigkeit Gottes, ist das alleinige Heil des Sünders. Auf tausend Weisen hat Gott es Israel eingeschärft, daß es Gnade, nichts als Gnade ist, was ihm widerfährt, wenn er Israel aus der Menge der Sünder heraus greift, damit es zuerst selbst das Heil seiner Gemeinschaft erfahre und damit eS alsdann der Bote Gottes an die übrige Menschheit werde, auf daß alle Sünder in seinen Bund des Lebens eingeführt werden möchten. Aber Gott selbst bezeugt auch eindringlich genug diesem Volke 5. Mose 8, 2 fl., wie er es 40 Jahre durch die Wüste geführt habe, damit diese 40 Jahre cs versuchen sollten und es ihm selbst kund würde, was in seinem Herzen wäre, und ob es seine Gebote halten würde oder nicht. Gott selbst weist Israel auf die Erfahrungen seiner Geschichte, seines eigenen Lebens hin, die ihm ein Spiegel sein sollten, wie es mit ihm stünde. Lernen sollte es damals und für alle Zukunft aus diesen ersten Zeiten, welche doch so eindringlich die Macht und Treue und Langmuth und Geduld und Barmherzigkeit und Heiligkeit Gottes ihm gepredigt hatten, wie unaussprechlich tief der Abgrund der göttlichen Gnade sei, die solch ein halsstarriges Volk zu ihrer Gemeinde berief. Freilich schon das alte Israel hat im Ganzen und Großen nichts aus dem Allen gelernt, als seine eigene Gerechtigkeit: cs war und blieb in seinen Augen das Mustervolk, die gerechte Gemeinde Gottes unter lauter unheiligen Völkern.