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Dibre Emeth · 1869-01-01 · 11-12 (1869) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
25 (1869)
Issue
11-12 (1869)
Date
1869-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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172 Das Gesetz eine ganz unverdiente Gabe. Aber das Gesetz schärst es freilich nun auch mit allem Ernst ein, daß es ganz allein die Gnadengabe Gottes an Israel ist. Nicht die persönlichen Eigenschaften, nicht eine sittlich höhere Stellung vor den anderen Völkern, nicht irgend welche eigene Tugend, Frömmigkeit, Gerechtigkeit oder Würdigkeit Israels hat Gott bestimmt, es zu seiner Gemeinde unter den Götzendienern zu erwählen. Das Alte Testament kann es im Gegentheil nicht ausführlich genug beschreiben, wie Israel doch in seiner eigenen, natürlichen Art so völlig untauglich war ein Volk Gottes zu werden, als es das Gesetz empfing; und immer wieder bei den allerverschiödenften Gelegenheiten kommen die heiligen Bücher darauf zurück. Moses und Aaron selbst, die Mittler des Volks, werden als die, menschlich gesprochen, untauglichsten Werkzeuge für die Ausführung des göttlichen Raches an Israel beschrieben. Der Eine versucht es, nachdem sein fleischlicher Eifer erloschen ist, auf jede Weise das ihm übertragene Amt abzuschütteln; er hat auch Recht, daß er zu demselben nicht paßt, wenn er eben auf sich selbst nur sieht. Er soll Gottes Sache vor dem Könige Aegyptens und vor seinem eigenen Volk vertreten, und ihm fehlt die Hauptbedingung: die Sprache. Aaron muß sein Mund werden, und der Alles leitet, ist deshalb in wirklich merkwürdiger Weise abhängig. Aaron selbst aber, von dem man unter solchen Verhältnissen doppelte Festigkeit und Stärke erwarten sollte, verfällt in dem ersten Augenblicke, wo er einmal selbstständig dastehn muß, sofort auch in Götzendienst, er ist ein schwankendes Rohr in den Händen der großen Masse. Das Volk hinwiederum möchte am Liebsten nichts von dem göttlichen Aufträge wissen, welchen Moses an dasselbe auszurichten hat; es wäre ganz zufrieden, wenn es seine Fleischtöpfe in Aegypten nur mit Ruhe genießen könnte. Die gewaltigsten Wunderzeichen und die furchtbarsten Gerichte, welche es mit seinen eigenen Augen gesehn hat, sind eben so schnell vergessen, sie haben gar keinen irgendwie nachhaltigen Eindruck auf dasselbe hervorgebracht. Schritt für Schritt muß Moses mit ihm kämpfen. Gerichte über Gerichte müssen es heimsuchen, ob es endlich einmal gehorchen wollte. Und die Strafen Gottes allein sind im Stande es so weit im Zaume zu halten, daß

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