Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 25 (1869)
- Issue
- 11-12 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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167 Das Wunder. Damit fällt noch von einer andern Seite ein neues Licht über das Werk des Heils, das Gott unter den Sündern beginnt. Gott will es nicht bei dem natürlichen Verlauf der Dinge lassen, sonst bliebe der Mensch schließlich doch allein ein Raub des Todes, sondern er will zum Besten des Sünders die gerade entgegengesetzte Bahn einschlagen: Gott wählt nunmehr den Weg des Wunders. Das Wunder, welches beide jüdische Parteien so wenig in seinem inneren Wesen verstehen, findet also hier seine Erklärung. Das Wunder aber wird sogleich sehr faßlich, wenn man bedenkt, daß der Mensch ein Sünder ist und eben damit sein Leben verwirkt hat, daß dagegen Gott an dem Sünder seine Gnade beweisen will und daß er eben deshalb seiner Gerechtigkeit gegenüber noch höher die Macht seiner Liebe steigen läßt. Die Macht Gottes hat die Welt und den Menschen zum Leben geschaffen, seine Macht erhebt sich neu, die Sünder aus der Gewalt der Sünde und des Todes herauszureißen oder zu erlösen. Seine Gnade erbietet sich da, wo der Verlauf des angeborenen und natürlichen Lebens zum Ende führen würde, das Leben zu erhalten und ein neues Leben zu schaffen. Hunger, Durst, Krankheiten, die verderbliche Macht der Elemente und auch der Tod selbst müssen weichen, wo die Gnade Gottes ihr Werk thun will. Was die Natur auf den ihr geordneten Wegen und der Mensch mit seinen gegenwärtigen Kräften nicht erreichen, fällt denen in den Schooß, an welchen Gott seine Gnade mit ihrer Macht erweisen will; auch die Dunkel der Zukunft enthüllt er vor Augen; kurz er durchbricht den Menschen zu Liebe den gewöhnlichen Lauf der Dinge und läßt sie im Voraus etwas von dem schmecken, was kommen wird, wenn alle die gegenwärtigen Störungen werden überwunden sein, und der Rath der Liebe Gottes zur wahrhaftigen Vollendung gekommen ist. Auf ein Ziel des vollkommenen, von Sünde und Tod nicht mehr getrübten Lebens hat Gott es abgesehen. Nur seine Macht, welche es bei diesem widerspruchsvollen Wesen, das uns auf Schritt und Tritt umgiebt, nicht lassen will; nur seine Macht, die Höheres erstrebt, als was in der Gegenwart Sinne und Verstand wahrnehmen, kann es dahin bringen. Vorbilder, Unterpfänder dessen sind alle einzelnen Wun-